Kanutour Recknitz

Recknitz - Die Wildnis der alten Salzstraße zur Ostsee

Kanutour Recknitz: Kurze Gewässerkunde

Die »Recknitz« ist ein einsamer Kleinfluss, der zwischen den Städten Güstrow und Teterow als »Schaalbeke« entspringt und schließlich nordwärts, durch Laage, Tessin und Bad Sülze fließend, zwischen Ribnitz und Damgarten in den »Saaler Bodden« der »Ostsee« mündet. Dabei verläuft der Fluss auf seinen etwa 70 paddelbaren Kilometern ab Laage mal schmaler, mal breiter, mal kanalisiert oder aber stark mäandernd durch sein ursprüngliches Flussbett.

Im Oberlauf bis Bad Sülze herrscht streckenweise spürbare Strömung, die durch mehrere Wehre reguliert wird und im Unterlauf deutlich nachlässt. Hier fließt die Recknitz nach einer Richtungsänderung durch das »Grenztal Mecklenburg-Vorpommerns«, das die beiden Landesteile voneinander trennt. Landschafts- und Tierbeobachtungen sind in den renaturierten und unter Schutz gestellten Abschnitten häufig möglich.

Kanutour Recknitz: Regelungen & Anspruch

Die Recknitz ist zum Großteil ein nicht schiffbares Gewässer. Ab Tressentin (km 12) bis zur Mündung sind jedoch Boote mit Verbrennungsmotoren gestattet, bis Bad Sülze nur solche mit Elektromotoren bei max. 8 km/h Höchstgeschwindigkeit. Das Mündungsstück bis einschließlich des Hafens Damgarten ist Seeschifffahrtsstraße bei max. 5 km/h zulässiger Höchstgeschwindigkeit.

Spätestens ab Bad Sülze ist die Recknitz familien- und anfängertauglich und in beide Richtungen bei Wassertiefen um die 4 Meter leicht paddelbar. Vorher ist wegen möglicherweise stärkerer Strömung, geringer Breite und Tiefe, starkem Pflanzenbewuchs und den fünf zu umtragenden Wehren ohne Hilfsmittel etwas mehr Übung erforderlich.

Die Infrastruktur ist mit mehreren Wasserwander-Rastplätzen recht gut ausgebaut. Trotzdem ist man (vor allem bis Tessin) häufig allein auf dem Fluss. Für Gepäckfahrten ist ein Bootswagen empfehlenswert. Von Laage bis Bad Sülze ist im Sommer mit stärkerer Verkrautung zu rechnen, danach abnehmend. Bei Krautung kann angestautes Kraut zu unüberwindbaren Hindernissen werden (vorher über Termine informieren!).

Ab Einmündung der »Drews Bäk« (km 52) bis Einmündung des »Maibachs« auf Höhe Liepen (km 44), hinter Bad Sülze (km 28) bis Höhe Tressentin (km 12) sowie linksseitig auf Höhe Carlewitz (km 9) ist die Recknitz Teil von Naturschutzgebieten oder grenzt direkt an diese. Ansonsten fließt die Recknitz schon ab Kilometer 65 auf Höhe Neu Kätwin, bis auf ein kurzes Stück hinter Tessin, in Gänze mindestens durch Landschaftsschutzgebiet und Vogelschutzgebiet.

Kanutour Recknitz Etappe 1: Laage – Tessin (16 km)

Die eigentlich fast 89 km lange Recknitz ist für Wasserwanderer erst ab Laage interessant. Auf den vorherigen knapp 19 Kilometern ist das kleine, flache und im Sommer oft völlig zugewachsene Fließ, nicht zuletzt wegen durchgeführter Renaturierungsarbeiten, kaum paddelbar. Ohnehin vereinigen sich mit der »Alten Recknitz« bzw. »Augraben«, die aus dem namensgleichen Dorf Recknitz zufließt, dem »Korleputer Bach« (heute im Unterlauf als Recknitz bezeichnet) und dem »Pludderbach« die wichtigsten Zuflüsse erst wenige Kilometer vor Laage zum Hauptstrom der Recknitz.

Frühestens ab der Bahnbrücke Richtung Rostock lohnt sich das Einsetzen mit dem Kanu, wenngleich es im gesamten Stadtgebiet von Laage an geeigneten Einsetzstellen mit guten Anfahrtswegen mangelt. An der Straßenbrücke der B 108 kann ebenfalls der Einstiegsversuch unternommen werden. Hier kommt man zumindest mit dem Auto bis an den Fluss und es gibt eine nahe Parkmöglichkeit.

Für Bahnreisende liegt ein Supermarkt auf dem Weg vom ca. 1 km entfernten Bahnhof. Zwischen Bahn- und Straßenbrücke verläuft auch ein Stichkanal nahe der Bundesstraße, der in die Recknitz mündet und möglicherweise ebenfalls zum Einsetzen taugt. Ansonsten ist die hier noch recht schmale und bewachsene Recknitz nur über Feldwege erreichbar.

Knapp einen Kilometer unterhalb der Straßenbrücke ist, je nach Wasserstand, das erste Wehr zu umtragen. Bis dahin (und vor allem kurz davor) ist die Recknitz in den Sommermonaten oft stark verkrautet. Deshalb kann es sich auch lohnen, eine Kanutour erst hinter diesem Wehr zu beginnen. Der Weg mit dem Auto dorthin führt über die Verlängerung der Laager Gartenstraße. Vorbei an einer Pferdesportanlage und nach einem Knick nach links, endet diese ebenfalls in einem etwas abenteuerlichen Landwirtschaftsweg zum Wehr.

Hier gibt es aber sogar eine Schutzhütte mit Tisch und Sitzbank, da scheinbar auch eine Wanderroute über das Wehr führt. Das Einsetzen mit dem Kanu in die Recknitz ist auch hier aufgrund der steilen und zugewachsenen Böschungen nicht einfach, aber möglich. Nicht zuletzt wegen all dieser Widrigkeiten beginnen offensichtlich nur wenige Abenteurer ihre Kanutour auf der Recknitz bereits in Laage.

Unter dem Fluglärm des nahen Flugplatzes Rostock-Laage verlaufen die ersten ca. 6 km auf der hier im Schnitt 10 Meter breiten Recknitz kanalisiert und somit oft schnurgerade durch Wiesenlandschaft mit nur vereinzelten Bäumen. Bei Eickhof erreicht man bald das nächste Wehr, das in den meisten Fällen wieder über die steilen und bewachsenen Böschungen umtragen werden muss. Stege sind nicht vorhanden.

Über das Wehr führt eine kleine Straße bzw. ein landwirtschaftlicher Weg, weshalb in manchen Karten nur eine Brücke eingezeichnet ist. Hier bietet sich eine Pause an, da auf einigen Kilometern sowohl vor als auch nach dem Wehr geeignete Anlande- bzw. Ausstiegsstellen rar sind.

Nur wenige hundert Meter hinter dem Wehr fließen kurz nacheinander von rechts und links die sehr schmale »Polchow« und der ebenfalls schmale und schnell fließende »Stegendiecksbach« zu. Beide sind landschaftlich reizvoll, jedoch (auch aus Naturschutzgründen) nicht befahrbar. Daneben sorgt entsprechendes Gefälle nun ebenfalls für spürbar mehr Strömung auf der Recknitz, sodass man auf den folgenden etwa 5 km bis zum nächsten Wehr an der A 20 zügig voran kommt.

Anfangs ist die Recknitz auch in diesem Abschnitt stellenweise sehr schmal und in den warmen Monaten möglicherweise fast zugewachsen. Später wird sie aber wieder etwas breiter und führt durch Moor- und Sumpfgebiet. Ein Anlanden oder Aussteigen ist deshalb bis zur Autobahn eigentlich nie möglich bzw. ratsam.

Das unmittelbar vor der Autobahnbrücke liegende Wehr muss, abhängig vom Wasserstand, in den meisten Fällen wieder recht mühsam über das rechte Ufer umtragen werden. In der Vergangenheit gab es hier auch Steganlagen: erst aus Holz, später Schwimmstege zum Übersetzen. Beides war zuletzt nicht mehr existent bzw. nutzbar. So bleibt nur das Ein- und Aussetzen vor bzw. direkt hinter dem Wehr an Betonstufen, die das Ufer zumindest ein wenig befestigen. Unter der Autobahn führt eine Fußgängerbrücke an das andere Ufer. Hier bietet sich eine Pause an. Die große Brücke bietet auch einen gewissen Schutz vor der Witterung.

Anschließend sind es noch etwa 2 Kilometer bis Tessin, das sich durch die Straßenbrücke der B 110 mit Stadtwappen ankündigt. Kurz vor der Recknitzbrücke befindet sich am linken Ufer der städtische Wasserwander-Rastplatz mit Schwimmsteg, Picknickplatz, viel Wiese, Kanuverleih und Sanitäranlagen, die nach Anmeldung (Kontaktdaten angeschlagen) genutzt werden können. Ein Parkplatz befindet sich in unmittelbarer Nähe. Mit der neuen Nutzungsordnung der Stadt Tessin (2025) ist das Zelten am Rastplatz allerdings leider nicht mehr gestattet!

Alternativ ist der Campingplatz am etwa 1 Kilometer (Luftlinie) vom WWR entfernten »Freizeit- und Wellnesscenter Tessin« für Übernachtungen nutzbar. Dieser liegt allerdings nicht direkt am Wasser der Recknitz.

Imbiss- und Einkaufsmöglichkeiten sowie eine weitere, öffentliche Toilette finden sich im nahen Stadtzentrum bzw. nur wenige Gehminuten vom Wasserwander-Rastplatz entfernt.

Kanutour Recknitz Etappe 2: Tessin – Bad Sülze (24 km)

Hinter Tessin (km 54) bleibt die Recknitz zunächst noch recht schmal und strömungsreich und kann von den Ufern her teilweise dicht bewachsen sein. Bis auf eine Fußgängerbrücke nach Vilz bieten sich auch hier kaum Möglichkeiten zum Anlanden. Wenig später mündet von links der (kaum lohnenswerte) »Reppeliner Bach« ein.

Das Tessiner Wehr, wenige hundert Meter davor, wird am besten wieder über das linke, unbefestigte Ufer umtragen. Auch hier gibt es leider keine helfende Infrastruktur. Mutige können womöglich bei entsprechendem Wasserstand die anhängige Fischtreppe auf der linken Seite des Wehres durchpaddeln oder treideln. Eine Empfehlung dafür gibt es, gerade für GFK- oder Faltboote, aber nicht, da man schnell auf Grund (Steine!) läuft. Alternativ kann mit dem Kanu erst hinter der Fischtreppe wieder eingesetzt werden, was etwa 50 Meter Umtrageweg durch hohes Gras bedeutet. Das Ufer an der Einsetzstelle ist hier wieder zumindest über Betonstufen einigermaßen befestigt.

Ähnliches gilt auch für das nach weiteren 4 Kilometern auftauchende Wehr bei Zarnewanz, das sich nun mitten im »Naturschutzgebiet Recknitzwiesen« befindet. Das bedeutet vor allem, dass ab der rechtsseitigen Einmündung der Drews Bäk, etwa auf Höhe Neu Gramstorf, bis ungefähr zum ehemaligen Wehr bei Liepen ein Uferbetretungsverbot gilt.

Die fast einzigen Anlandemöglichkeiten zwischen Tessin und Liepen bilden also die Wehre, die aber ohnehin in den meisten Fällen umtragen werden müssen und sich daher auch für Pausen anbieten. Ansonsten wird die Recknitz in diesem Abschnitt nun wieder etwas breiter und verläuft kanalisiert bei nur noch schwacher Strömung. Im Gelände zeichnet sich hier noch deutlich der ursprüngliche Flusslauf ab.

Eine Krautsperre, die das Verstopfen des Wehres zwischen Liepen und Dudendorf (km 44) verhindern soll, muss passiert werden, bevor man auch das eigentliche Wehr, das heute nur noch als Brücke zu dienen scheint (Wehrtore und Aufbauten demontiert), durchfahren kann. Kurz davor und dahinter kann am rechten Ufer angelandet werden. Stege finden sich allerdings auch hier nicht. Am Brückenweg Richtung Liepen gibt es dafür, nur wenige Meter entfernt im Wald versteckt, mehrere historische Großsteingräber zu entdecken.

Das Brückenwehr markiert auch den Übergang zu einem der reizvollsten Abschnitte auf der Recknitz: Auf den folgenden 12 km bis vor Bad Sülze hat man den Fluss in sein ursprüngliches Bett zurückverlegt und mehr oder weniger sich selbst überlassen. Man spricht von »Renaturierung«.

Tatsächlich wird die Recknitz hier wieder interessanter – nicht allein wegen der eiszeitlich geprägten Landschaft oder einzigartiger Tier- und Pflanzenbeobachtungsmöglichkeiten, die sich hier bieten. Der Duft von Wasserminze, die hier zahlreich direkt am Schilfgürtel wächst, steigt einem bspw. im Sommer sofort in die Nase.

Aber auch die Strömung nimmt, je nach Wasserstand, auf dem windungsreichen, teils schmalen und bewachsenen Abschnitt wieder deutlich zu, sodass es schon etwas Übung braucht, um dabei mit dem Kanu in der Spur zu bleiben. Einseitig abgeschnittene Altarme der ehemaligen Kanalisierung fordern darüber hinaus etwas Orientierung, um nicht ständig in Sackgassen zu paddeln.

Gleich zu Beginn des renaturierten Stückes, kurz hinter Liepen, gibt es auf dem nahen »Recknitzberg« seit einigen Jahren wieder einen Natur- und Erholungshof mit Campingplatz und Zimmervermietung für Einzelpersonen und Gruppen. Auch WC und Duschen stehen zur Verfügung. Wer eine Übernachtungsmöglichkeit oder einen Startpunkt für eine Kanutour auf der Recknitz sucht, ist hier womöglich gut aufgehoben.

Vom Fluss aus ist der Gutshof seit der Renaturierung allerdings etwas schwieriger zu erreichen und mit ein wenig Landgang verbunden: Entweder man steigt nach dem ersten renaturierten Flussbogen am rechten Ufer aus oder man folgt der Recknitz noch etwas bis zu einem kleinen wasserwirtschaftlichen Häuschen am linken Ufer. An dieser Stelle zweigt rechts eine schmale (möglicherweise zugewachsene) Kanaleinfahrt ab, die am Ende zurück bis in einen abgeschnittenen Altarm führt.

In beiden Fällen folgt man nach Ausstieg dem Feldweg am Fluss etwa 800 Meter bis zum Gutshof. Ein Bootswagen für das Kanu ist hier natürlich angebracht.

Die nächste Rastmöglichkeit direkt am Fluss befindet sich etwa 5 km flussabwärts bei Schabow. Auch hier gab es einst ein Wehr, das nun glücklicherweise nicht mehr umtragen werden muss. Ein kleiner Metallsteg mit Messeinrichtungen und ein Stück gemähte Wiese laden hier heute zu einer Pause ein. Etwa auf halbem Weg dorthin kann eine den Fluss kreuzende kleine Holzbrücke an einem Feldweg, der auch zu einem historischen Burgwall an der Recknitz führt, als Orientierung dienen.

Hinter Schabow fließt die Recknitz wieder in teilweise sehr engen Mäandern nun auch häufiger durch bewaldete Abschnitte und Moorgebiet. An manchen Stellen ist sie hier so eng und bewachsen, dass ein Durchkommen mit dem Kanu gerade noch möglich ist. Nach unzähligen Flusswindungen kündigt eine Fußgängerbrücke bald das Ende des renaturierten Abschnitts an. Wenn man hier aussteigt und dem am linken Ufer verlaufenden Landweg ein paar hundert Meter flussaufwärts folgt, gelangt man so zu einem Aussichtsturm.

Der letzte Flusskilometer bis Bad Sülze verläuft wieder kanalisiert. Nach Unterquerung der Landesstraße 19 Richtung Tribsees folgt wenig später das zu umtragende Wehr Bad Sülze, an dem praktischerweise aber auch der hiesige Wasserwander-Rastplatz liegt. Über eine Sliprampe kann am rechten Ufer vor dem Wehr ausgesetzt und auf gleicher Weise hinter dem Wehr wieder eingesetzt werden.

Für die Rast stehen überdachte Bänke mit Tischen, teilweise von Bäumen beschattete Wiesenflächen sowie WC und Dusche im Gebäude der JAM GmbH (alte Molkerei) am gegenüberliegenden Recknitzufer zur Verfügung, die nach telefonischer Anmeldung für den Türcode nutzbar sind. Auch ein Frühstücksservice für den nächsten Morgen kann geordert werden. Hierfür muss man sich allerdings bereits am Vortrag anmelden oder im Vorfeld per E-Mail reservieren. Darüber hinaus verfügt die Wasserwander-Station JAM über einen Kanuverleih und die Möglichkeit, auch im Gästehaus zu übernachten.

Die Kontaktdaten sind am WWR angeschlagen oder über die Website abrufbar. Ein Parkplatz befindet sich ebenfalls vor Ort, sodass eine Kanutour auf der Recknitz von hier aus auch bequem begonnen oder beendet werden kann.

Das nahe Stadtzentrum von Sülze mit Einkaufsmöglichkeiten ist über die Brücke auf die andere Seite der Recknitz (Tribseeser Straße) ebenfalls schnell fußläufig erreicht. Folgt man dem Weg in die andere Richtung nach Tribsees, kann nach ca. 6 km Umtrageweg mit Bootswagen über Fuß- und Radwege bei der Brücke (L 19) theoretisch auch in die »Trebel« übergesetzt werden. In Langsdorf gibt es einen Rastplatz.

Kanutour Recknitz Etappe 3: Bad Sülze – Ribnitz-Damgarten (30 km)

Hinter der Brücke in Bad Sülze stößt man bald auf eine Flussgabelung. Ein Hinweisschild weist an, den linken, alten Flusslauf weiter zu paddeln. Die Schwimmsperre dahinter macht es auch nahezu unmöglich, den geraden Weg zu nehmen, auf dem kurze Zeit später ein kleines Wehr folgen würde. Da dieses auf dem Seitenarm fehlt, kommt man in der urigen Umleitung mit der Strömung recht zügig voran, bis man die alte Straßenbrücke (L 23 Saline) erreicht.

Hier ist Vorsicht geboten! Denn unter der Brücke befindet sich eine Sohlgleite (Stufe am Grund des Flusses), die, je nach Wasserstand, nicht paddelbar ist. Dann muss vorher ausgestiegen und das Kanu unter der Brücke hindurch über den steinigen Grund und die Sohlgleite getreidelt werden. Beidseitige, dicke Holzbalken an den Ufern sind dabei aber hilfreich. Dennoch kann hier stärkere Strömung vorherrschen, sodass auch der Wiedereinstieg gut durchdacht sein sollte.

Auch danach bleibt es in dem kurzen, bewaldeten Abschnitt noch recht flach, bevor sich nach einer Kurve beide Flussläufe bald wieder vereinigen. Ein noch hin und wieder vermerkter Wasserwander-Rastplatz mit Kanuverleih (»Saline 7«) existiert hier nicht mehr. Allerdings sind bei Ausstieg an der Brücke der Kurpark und das Salzmuseum recht nah. Hier bekommt man spannende Einblicke in die historische Salzproduktion vor Ort, die eng mit der Gründung und Geschichte der Stadt Bad Sülze verknüpft ist.

Deshalb endete bzw. begann an dieser Stelle auch der einstige »Prahmkanal«, der bis Anfang des 20. Jahrhunderts eine schiffbare Wasserverbindung zur Trebel herstellte, die vor allem für Torf- und Salztransporte genutzt wurde. Über die Recknitz wurde ebenfalls lange Zeit Salz bis zur Ostsee transportiert, sodass man sich fortan auf der »Alten Salzstraße« bewegt.

Die nun oft wieder kanalisiert, in schwachen Mäandern verlaufende und beidseitig mit hohem Schilf bewachsene Recknitz ändert hinter Bad Sülze zunehmend die Richtung nach Nordwesten und fließt jetzt, wie Trebel, »Tollense« und »Landgraben«, durch das Mecklenburg-Vorpommersche Grenztal.

Spätestens ab hier muss man sich über Verkrautungen, Wassertiefe, Flussbreite, Strömung oder Umtragestellen keine Gedanken mehr machen. Allerdings durchfährt man ab ca. 2,5 km oberhalb von Bad Sülze bis etwa auf Höhe Tressentin wieder Naturschutzgebiet (»NSG Unteres Recknitztal«).

Erst 3 km vor Marlow bietet sich am linken Flussufer wieder eine Rastmöglichkeit in Form eines hölzernen Bollwerks (Krautziehplatz) an. Direkt davor mündet der Schulenberger »Mühlenbach« ein. Er kann zum Aussteigen genutzt werden, da die Holzpfahlwand je nach Wasserstand doch sehr hoch sein kann. Auch am anderen Ende des Platzes gibt es alternativ noch eine Möglichkeit, aus dem Wasser zu kommen.

Kurz vor Marlow mischen sich auch wieder häufiger Bäume in das Panorama und man bekommt etwas mehr von der Umgebung zu sehen. Der Funkmast Marlow ist weithin sichtbar und kann als Orientierungspunkt am Horizont dienen.

So ist bald auch der hiesige Wasserwander-Rastplatz erreicht, der sich durch Wochenendhaussiedlungen am Fluss bereits ankündigt. Er befindet sich am rechten Ufer direkt neben dem Anglerverein und kurz vor der Straßenbrücke der L 18 nach Marlow. Der WWR liegt tatsächlich etwas außerhalb der Kleinstadt, sodass man fußläufig mindestens 2 km zurücklegen muss, um über die Brücke ins Stadtzentrum mit Einkaufsmöglichkeiten oder zum berühmten Vogelpark zu gelangen.

Glücklicherweise ist der WWR Marlow aber mit einem kleinen Imbiss, Schwimmsteg, Toiletten und Dusche, überdachten Sitzmöglichkeiten, Grillplatz, Kanu-, Fahrrad- und Bootsverleih und viel Informationsmaterial zur Umgebung gut ausgestattet. Einzig die Zeltstellplätze auf der Wiesenfläche sind stark begrenzt (3–4 Zelte)! Besser man informiert sich also vorab beim freundlichen Personal über Auslastung, das einem auch in vielen anderen Belangen (z. B. Reparaturen) gern aushilft.

Ein Parkplatz befindet sich direkt neben der Straßenbrücke, sodass auch die Anfahrt bis zum Wasser gegeben ist.

Unter der Brücke hindurch und vorbei an abgeschnittenen Altarmen taucht am rechten Ufer schon nach wenigen hundert Metern wieder ein Krautziehplatz auf. Auf den nächsten 5 km entlang der wieder sehr einsamen und windungsreichen, aber jetzt bis zu 20 Meter breiten und strömungsarmen Recknitz bis Gruel ist er die letzte Pausenmöglichkeit.

Der bewaldete »Lange Berg« sticht bis dahin charakteristisch aus der Landschaft heraus. Unweit davon schlummern – wie mehrfach an den Flussufern der Recknitz – die Überreste einer slawischen Höhenburg im Wald, von wo aus man einen herrlichen Blick über das Recknitztal genießen kann. Die Urigkeit auf diesem Abschnitt bis Tressentin trügt nicht: Hier sind einzigartige Beobachtungen von u. a. Graureiher, Kranich, Schreiadler, Biber und Rotmilan möglich.

Die besagte (Notfall-)Pausenmöglichkeit am rechten Ufer bei Gruel – wir befinden uns noch immer im Naturschutzgebiet – ist erkennbar an Hochspannungsleitungen, die mitten über die Recknitz verlaufen. Ein Weg führt von der Wiesenfläche bis ins Dorf. In dieser Wildnis, mit nun auch stärker bewaldeten Uferzonen, münden einige kleine Zuflüsse, wie der ebenfalls schöne und naturnahe »Tribohmer Bach« in die Recknitz (km 14). Auch hier gäbe es noch die Möglichkeit, notfalls anzulanden.

Ansonsten endet das »Naturschutzgebiet Unteres Recknitztal« erkennbar spätestens beim Erreichen des nächsten Krautziehplatzes am rechten Ufer zwischen Tressentin und Prusdorf (km 12). Von hier bis zur Mündung sind nun auch Boote mit Verbrennungsmotor auf der Recknitz erlaubt.

Als gute Anlege- und Rastmöglichkeit eignet sich indes der nach weiteren 2,5 km erreichbare Biwakplatz bei Pantlitz. Der auf einem Hügel gelegene Kirchturm des Dorfes scheint auf dem Weg dorthin mehrfach vom Wasser aus greifbar nah. Wegen vieler Flusswindungen bleibt er aber noch einige Zeit unerreicht.

Der Rastplatz ist über die Einfahrt in einen kleinen Stichkanal am rechten Ufer (ausgeschildert) befahrbar und liegt abgeschieden und idyllisch am Fuße eines altslawischen, begehbaren Burgwalls. Auch ein Abstecher zur daneben liegenden Kirche des Dorfes Pantlitz bietet sich an. Von hier aus kann man das Recknitztal weit überblicken.

Nur ein Landwirtschaftsweg verbindet den Rastplatz von Land aus mit der Zivilisation, sodass man auf dem in den letzten Jahren mehrfach erweiterten Areal mit langer Steganlage, Angelstelle, Grill- und Feuerplatz, Bänken, Zeltwiese und mittlerweile auch überdachter Tisch-Bank-Kombination recht ungestört sein Lager in der Natur aufschlagen kann. Einfahrt und Steg wirken ebenfalls sehr exklusiv nur auf kleine Boote ausgelegt. Wenn davon aber gleich mehrere den Platz nutzen wollen, kann es allerdings eng werden. Eine Toilette gibt es hier nicht.

Toiletten gibt es erst wieder im etwa 8 km entfernten Hafen von Damgarten. Denn auch der nächste, fast 3 km entfernte Rastplatz bei Daskow bietet ähnlichen Komfort wie Pantlitz, jedoch auch keine Sanitäranlagen. Er ist aber etwas größer und mit dem Auto besser anfahrbar. Auch Müll kann hier entsorgt werden. Der hiesige Anglerverein hat sich zudem überdachte Liegeplätze für (mietbare) Ruderboote und eine Sliprampe am Biwakplatz geschaffen.

Die Recknitz wird auf den letzten Kilometern vor der Mündung noch einmal deutlich breiter. Die Ufer sind hier geprägt von Grünland mit einzelnen Gehölzgruppen und sumpfigen bzw. moorigen Abschnitten. Dadurch ist auch bald der Kirchturm von Damgarten am Horizont zu erspähen.

Vorher lässt man in einem Flussbogen bei Plummendorf am rechten Ufer aber noch einen Krautziehplatz und wenig später einen alten Bohrturm mitten im Nirgendwo hinter sich. Ungewohnt für die sonst so stille Recknitz nimmt auch der motorisierte Bootsverkehr (meist kleine Sportboote) vor der Mündung bei Damgarten zu.

Nach Unterquerung der Bahn- und anschließend der Straßenbrücke (B 105) zwischen Ribnitz und Damgarten zweigt ostwärts bald darauf die Einfahrt zum Hafen Damgarten ab. Das Gelände des zuvor am linken Ufer liegenden Recknitzer Wassersportvereinshafens lassen wir hinter uns. Gleich zu Beginn des Hafens Damgarten gibt es einen Schwimmsteg zum Ein- oder Aussetzen. Alternativ ist auch eine Sliprampe vorhanden. Bänke, Wiesenflächen, ein Restaurant und ein Sanitärgebäude direkt am Wasser laden zum Rasten ein. Einkaufsmöglichkeiten sind fußläufig schnell erreicht und auch ein großer Parkplatz gehört zum Areal.

Die Möglichkeit zur Übernachtung bietet hier die Ruderabteilung des »Ribnitzer Sportvereins 1919 e. V.«. An dem direkt am Hafen liegenden Vereinsgelände, auf einer großen, gepflegten Wiese mit überdachten Sitzmöglichkeiten, Feuerstelle, Grillplatz und Sanitärcontainern, kann man sein Zelt aufschlagen.

In diesem Fall ist es besser, noch vor der Sliprampe des Hafens rechts in einen schmalen Kanal einzubiegen, über den eine kleine Brücke führt. Hier liegt die Anlandestelle des Vereins direkt neben der Zeltwiese, von der aus auch Kanus und Boote verliehen werden. Vorteil: Das Kanu muss dann nicht über Land mühevoll bis auf das Gelände getragen werden.

Hält man sich dagegen vor der Hafeneinfahrt Damgartens links, folgt man der Recknitz, vorbei an Pütnitz, noch etwa einen Kilometer bis zu ihrer Mündung. Sie endet im offenen »Ribnitzer See« als Südteil des Saaler Boddens und damit der Ostsee. Wenn Wind und Wellen es erlauben, kann man noch die Querung bis in das in Sichtweite liegende und etwa 2 km entfernte Ribnitz wagen.

Ansonsten ist es von hier aus auch möglich, die gesamte Boddenkette über Fischland, Darß und Zingst bis nach Rügen zu bepaddeln. Hier sollte man sich aber unbedingt auf maritime Verhältnisse einstellen und entsprechend ausgerüstet sein!

Anbieterverzeichnis Recknitz
Wasserwanderkarte Recknitz
Krautungstermine auf der Recknitz
Vogelparkregion Recknitztal

Kanutour Recknitz: Video

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