Kanutour Havel

Inhaltsverzeichnis
Kanutour Havel: Kurze Gewässerkunde Kanutour Havel: Regelungen & Anspruch Kanutour Havel Etappe 1: Kratzeburg – Kakeldütt (14 km) Kanutour Havel Etappe 2: Kakeldütt – Wesenberg (16 km) Kanutour Havel Etappe 3: Wesenberg – Kleinmenow (16 km) Kanutour Havel: Weiterführende Infos Kanutour Havel: VideoKanutour Havel: Kurze Gewässerkunde
Auch wenn die »Havel« überwiegend durch Brandenburg und Berlin fließt, so entspringt sie doch als naturnaher Kleinstfluss in der »Mecklenburgischen Kleinseenplatte« und bahnt sich die ersten etwa 51 km (46 km davon paddelbar) ihres 334 km langen Wasserweges durch Mecklenburg-Vorpommern. Als einer der wenigen Flüsse MVs entwässert die Havel in südlicher Richtung bei oft nur geringer Strömung. Dabei durchquert sie unzählige Seen, aus denen sie sich speist, und vergrößert sich so schnell zur schiffbaren Wasserstraße.
Für Wasserwanderer ist vor allem der quellnahe Flussabschnitt zwischen Kratzeburg und Userin reizvoll, da sich die Havel hier noch schmal, flach und urig durch den geschützten Müritz-Nationalpark windet und deshalb bis zum »Useriner See« lediglich Kanus oder Ruderbooten vorbehalten bleibt.
Ab der Zwenzower Schleuse am »Großen Labussee« ist die Havel Bundeswasserstraße (»Obere-Havel-Wasserstraße«, OHW). Spätestens ab hier wird die Havel intensiv von Motorbooten befahren und touristisch genutzt. Die Havel gehört zu den meistbefahrenen Wasserwanderwegen in Mecklenburg-Vorpommern.
Kanutour Havel: Regelungen & Anspruch
Die Havel ist mit einem Gefälle von gerade einmal 39 Metern auf 334 km fast strömungslos und kann deshalb problemlos in beide Richtungen mit Kanus bepaddelt werden. Die zu durchfahrenden Seen sind allerdings mitunter unangenehm anfällig für Wind und Wellen! Im Oberlauf bis zum Useriner See ist die Havel in den Sommermonaten mancherorts nicht mehr als ein schmales, fast zugewachsenes Fließ, danach ist sie uneingeschränkt schiffbar.
Die Infrastruktur für Wasserwanderer ist an der Havel mit etlichen Kanuverleihen, Zelt- und Rastplätzen sowie Versorgungsmöglichkeiten ausgesprochen gut ausgebaut. Es gibt mehrere Umtragestellen an Fischtreppen oder Schleusen (außerhalb der Betriebszeiten). Bootsschleppen stehen dafür meist bereit, sodass nicht zwingend ein eigener Bootswagen benötigt wird. Ansonsten sind Havel und Nebengewässer bis zur Landesgrenze im Allgemeinen anfänger- und familientauglich. Ab der Zwenzower Schleuse gelten die Verkehrsvorschriften auf Binnenschifffahrtsstraßen.
Von der Quelle bis zum Useriner See, einschließlich des Westufers des Großen Labussees, fließt die Havel durch den Müritz-Nationalpark. Hier gelten besondere Verhaltensregeln im Sinne des Naturschutzes. Bei längeren Kanutouren sollten Übernachtungsmöglichkeiten im Müritz-Nationalpark vorab geplant werden, da Campen und Zelten hier nur an begrenzten, ausgewiesenen Stellen möglich ist!
Kanutour Havel Etappe 1: Kratzeburg – Kakeldütt (14 km)
Die Havel beginnt heute ihren fast vollständig durch Menschenhand beeinflussten Lauf unweit von Ankershagen im wieder vernässten »Diekenbruch« des Müritz-Nationalparks. Das war jedoch nicht immer so. Der nordwestlich liegende »Bornsee« (Born = Quelle, Brunnen), der über den »Trinnensee« schließlich in den »Mühlensee« entwässert, bildete vermutlich bis ins 15. Jahrhundert den obersten Quellsee der Havel. Manche beziehen sogar den noch weiter nördlich liegenden »Priestersee« und den »Mönchsee« bei Freidorf mit ein.

Der Legende nach schufen damals die bei Freidorf lebenden Mönche einen Durchstich am Ostufer des Mühlensees (»Mühlengraben«), um mit dem Wasser eine nahe Mühle zu betreiben. Dadurch versiegte jedoch der ursprüngliche Abfluss des Mühlensees nach Süden in das Diekenbruch (Havel).
Der anschließende Bau eines Erddamms zwischen Mühlensee und Diekenbruch schnitt die Havel, die über die »Elbe« in die »Nordsee« abfließt, schließlich fast vollständig vom Wasser ihrer Quellseen ab. Fortan entwässerten die Seen über den Mühlengraben in die »Tollense«, weiter in die »Peene« und schließlich in die »Ostsee«. Der künstliche Damm bildet seither die neue Wasserscheide zwischen beiden Meeren.

Der moorige Untergrund des Damms schloss allerdings nie vollständig ab, sodass nach wie vor etwas Wasser aus dem Mühlensee in das Diekenbruch drückt. Deshalb fasste man 2007 an dieser Stelle eine künstliche Havelquelle und stellte so die ursprüngliche Verbindung zu den Quellseen – wenn auch eher symbolisch – wieder her.

Auch wenn die Havel-Quellseen (es folgen nach dem Diekenbruch der »Middelsee«, »Großer Dieksee«, »Kunkel«, »Dambecker See« und »Röthsee«) theoretisch paddelbar wären, so ist es die Havel, die sie in diesem ersten Abschnitt bis Kratzeburg durchfließt, auf keinen Fall. Der Fluss gleicht bis zum »Käbelicksee« eher einem Bach, ist streckenweise extrem schmal, flach und im Sommer stark verkrautet.

Deshalb bietet sich als Startpunkt für eine Kanutour auf der Havel die Badestelle Kratzeburg mit Wiese, Tischen, Bänken und (im Sommer) mobiler Toilette am nördlichen Ufer des folgenden Käbelicksees an. Mit einer maximalen Tiefe von etwa 12 Metern und einer Nord-Süd-Ausdehnung von ca. 2,5 Kilometern bildet er gleichzeitig auch den größten der oberen Havelseen im Müritz-Nationalpark und ist dadurch mitunter anfällig für Wind und Wellen!
Auf dem nahen Wiesenparkplatz an der Kratzeburger Badestelle kann das Auto gut abgestellt werden. Für Bahnreisende ist der Haltepunkt Kratzeburg auf der Bahnstrecke von Berlin nach Rostock fußläufig nur etwa 1 km entfernt. Im kleinen Dorf Kratzeburg befinden sich einige gastronomische Einrichtungen, ein Fischereibetrieb mit Imbiss und Hofladen, Handwerkstätten, Ausstellungen, sowie diverse Ferienwohnungen.

Alternativ ist das Einsetzen mit dem Kanu auch an der westlich liegenden Steganlage des traditionsreichen Kanuverleihs »Kanu-Hecht« im Kratzeburger Ortsteil Dalmsdorf möglich. Auch hier gibt es einen Parkplatz vor der Kanustation. Der von der Havel unterflossene Bahnhaltepunkt Kratzeburg ist von hier aus lediglich 800 Meter entfernt. Mittig zwischen den beiden Kanu-Einsetzstellen schlängelt sich das Flüsschen gemächlich von Norden in den Käbelicksee. Die Havel hat hier bereits die ersten etwa 5 Kilometer hinter sich.

Kanu-Hecht bietet neben dem Kanuverleih auch geführte Touren mit Bring- und Rückholservice und Übernachtungen auf der kleinen Zeltwiese bzw. in Campingfässern für Wasserwanderer an. Ein Imbiss und diverse Lebensmittel-Automaten, überdachte Sitzmöglichkeiten, sowie Sanitäranlagen mit Spüle, WC und Dusche befinden sich ebenfalls auf dem gepflegten Gelände. Da das Platzangebot begrenzt ist, sollten sich größere Gruppen allerdings im Vorfeld anmelden bzw. erkundigen.

Dem westlichen Ufer des Käbelicksees (oder der Dorfstraße) südlich folgend, trifft man keine 800 Meter von Kanu-Hecht entfernt auf die örtliche Badestelle Dalmsdorf. Auch hier kommt man mit dem Kanu notfalls ins Wasser oder wieder heraus (Badebetrieb beachten!). Ein (Bade-)Steg, Spielgeräte, Bänke und eine mobile Toilette stehen im Sommer für Gäste bereit. Das Parkangebot scheint allerdings begrenzt und Zelten bzw. Campen ist ausdrücklich verboten.
Der Gasthof »Zu den Linden«, nur wenige hundert Meter nördlich, bietet neben Hausmannskost dafür allerdings auch kurzfristige Übernachtungsmöglichkeiten in Zimmern, Holzhütten oder auf einer Zeltwiese an. Ein Steg zum Anlegen mit dem Kanu am Gelände befindet sich recht unscheinbar hinter drei Bungalows am Wasser, oberhalb der Badestelle.

Noch besser für Rast und Übernachtungen eignet sich der am Ostufer liegende, ruhige und einzige Campingplatz am Käbelicksee: »Camping 36«. Hier gibt es einen speziell für Wasserwanderer reservierten Bereich in Ufernähe und sämtlichen Komfort, den Campingplätze im Allgemeinen bieten: Trinkwasser, Strom, Sanitäranlagen, einen kleinen Kiosk mit Imbiss und Brötchenservice sowie einen Badestrand.
Kanus können hier ebenfalls ausgeliehen und an der hauseigenen Steganlage eingesetzt werden. Auch auf größere Gruppen ist man (nach Anmeldung!) vorbereitet. Der Ortskern von Kratzeburg ist vom Campingplatz etwa 1,5 Kilometer entfernt.

Die Havel verlässt den klaren Käbelicksee am südwestlichen Zipfel des schmaleren und flacheren Südbeckens. Auf dem Weg dorthin passiert man zwei kleine Inseln auf östlicher Seite. Am Südwestufer ragt der »Österberg« weit in den See hinein, sodass man um die Halbinsel herumpaddeln muss, um den Abfluss der Havel zu erreichen. Eine grüne Tonne vor der Ausfahrt weist hier, wie auch auf allen folgenden Seen im Nationalpark, den Weg. Das Anlanden ist darüber hinaus im gesamten Nationalpark nur an gekennzeichneten Stellen gestattet.

Die nun schon bis zu 10 Meter breite, noch junge Havel fließt nach dem Käbelicksee etwa 1,3 km westwärts, bevor sich der klare und von Erlen gesäumte Strom bald hinter einer Straßenunterführung wieder zum »Granziner See« vergrößert.
Das namensgebende Dorf Granzin sowie der durch eine grüne Tonne gekennzeichnete Abfluss der Havel befinden sich auf westlicher Seite im Südbecken des fast 2 km langen Havelgewässers. Neben einer kleinen, hölzernen Bungalowsiedlung befindet sich linksseitig, kurz vor der Ausfahrt aus dem Granziner See, die örtliche Badestelle mit Steganlage, Bänken und einer mobilen Toilette in den Sommermonaten. Am rechten Ufer lassen die Bäume kurze Blicke auf den Dorfkern zu.

Die abfließende Havel trennt beide Ortsteile Granzins voneinander und wird bis zur verbindenden Straßenunterführung im Ort nun wieder deutlich schmaler, sodass es bei viel Kanuverkehr auf den folgenden Kilometern durchaus eng werden kann. Unmittelbar an der Brücke in Granzin gibt es gleich mehrere Anlande- und Rastmöglichkeiten an Stegen. Autos können hier auf dem Parkplatz direkt neben dem offiziellen Rastplatz für Wasserwanderer abgestellt werden.
Nur einen Steinwurf entfernt bietet »Kormoran Kanutouring« Planung und Führung von Kanutouren auf der Havel und die passenden Boote zum Verleih an, auf Anfrage auch mit der Möglichkeit zu Übernachten. Der traditionsreiche »Havelkrug« lädt indes auf östlicher Flussseite zu Speisen und Getränken ein. Granzin eignet sich damit auch hervorragend als Start- und Endpunkt für Tagestouren auf der Havel in beide Richtungen.

Es folgt nur wenige hundert Meter weiter der zu durchfahrende und flache »Schulzensee«, der allerdings eher einem Dorfteich gleicht, bevor gezwungenermaßen nach einem weiteren halben Kilometer bereits der nächste Rastplatz-Steg an der »Granziner Mühle« angesteuert werden muss.
Hier befand sich jahrhundertelang eine durch das Havelwasser angetriebene Wassermühle, später auch mit Sägewerk und Bäckerei. Die Gebiete beidseits davon dienten den Sowjets bis in die Neunzigerjahre als militärischer Übungsplatz. Panzer überfuhren an dieser Stelle regelmäßig die Havel und richteten entsprechende Schäden am Fluss und der umliegenden Landschaft an.

Als die Russen 1993 abzogen, konnte das Gebiet, das damals einer Sandwüste glich, renaturiert werden. Die Havel verläuft hier nun in einem letzten natürlichen (aber nicht paddelbaren) Flussabschnitt ca. 700 Meter über eine errichtete Fischtreppe bis zum »Pagelsee«. Deshalb müssen Kanus auf dieser Strecke abenteuerlich über Land transportiert werden. Dafür wurde eine ehemalige Torflorenbahn umgebaut und so eingerichtet, dass mehrere Boote gleichzeitig darauf Platz finden. Per Muskelkraft müssen die Kanus anschließend bis zur Einsetzstelle am Rastplatz Pagelsee geschoben werden.
Sollte bei Ankunft keine Lore vor Ort sein, muss sie vom anderen Ende der Umtragestrecke geholt werden. In der Regel kann man dafür allerdings getrost auf den Bootsverkehr aus der Gegenrichtung warten. Ein eigener Bootswagen kann bei Überlastung der Lorenbahn in den Sommermonaten alternativ nützlich sein.

Die Kanu-Einsetzstelle am nordöstlichen Zipfel des malerischen Pagelsees bietet sich auch für eine Badepause an. Ein Tisch mit Bänken steht für ein Picknick oder Wartezeiten an der Lorenbahn bereit. Eine naturnahe Trockentoilette befindet sich indes nur am anderen Ende der Lorenbahn bei der Granziner Mühle.

Der Pagelsee ist etwa 2 km lang und im Schnitt 5 Meter tief. Er windet sich in einem großen Bogen um einen frühslawischen Burgwall, der an der engsten Stelle des Sees bei Krienke auch bis 2018 über eine hölzerne Fußgängerbrücke erreichbar war. Die letzten maroden Reste der einstigen Umgehung des sowjetischen Schießplatzes und beliebten Fotomotivs wurden 2025 abgerissen.

Mittig, hinter einer Stromtrasse am Nordwestufer des Pagelsees, liegt eine zweite Badestelle mit Sitzgelegenheiten und mobiler Toilette (im Sommer), die auch als Rastplatz oder Einsetzstelle für Kanus genutzt werden kann. Ein Parkplatz befindet sich ebenfalls dort und ist von der Granziner Mühle aus anfahrbar.

Die Havel verlässt den Pagelsee im Südbecken, unweit des 30-Seelen-Dorfes Krienke, das zu Zeiten der militärischen Nutzung einst sogar von den Landkarten getilgt werden sollte. Heute gibt es einige wenige Feriendomizile und vor allem viel Ruhe im Ort.

Ihren Weg setzt die Havel nun wieder ein paar hundert Meter als kleiner, von Erlen und Birken gesäumter Fluss durch Wiesen- und Moorlandschaft fort, bis der »Zotzensee« sie bald darauf aufnimmt. Hier ist es wichtig, mit dem Kanu der grünen Betonnung über den See zu folgen, der mit einer mittleren Tiefe von 1,1 Metern zwar ausgesprochen flach, bei stärkeren Winden aber dennoch recht ungeschützt ist und ungemütliche Wellen schlagen kann.
In der Niederung des renaturierten Zotzensees gibt es gute Chancen, die »Große Rohrdommel« aufzuspüren, die in den ufernahen Röhrichtbeständen der wieder vernässten Moore rund um den See ihren Lebensraum findet. Ein naher Holzturm bietet weitere naturkundliche Beobachtungsmöglichkeiten.

Über einen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts künstlich angelegten Kanal verlässt die Havel den Zotzensee im Süden und fließt 2,5 oft schnurgerade Kilometer bis in den »Jäthensee«. Die ursprüngliche Verbindung über den östlich durch das »Fuchsbruch« verlaufenden »Havelbach« verlor nach dem Kanalbau ihre Bedeutung, wurde zugeschüttet und erst 2003 wieder reaktiviert.

Auf halber Strecke des etwa 6 Meter breiten und streckenweise stark bewachsenen, ehemaligen Flößerkanals liegt etwas abseits eines Wehres das alte Bauerndorf Babke. Die Havel wird hier in einen Seitenarm am Wehr (ehemalige Schleuse) vorbeigeleitet. Dennoch muss das Kanu wegen einer Fischtreppe aus dem Wasser. Stege und eine Lorenbahn machen die etwa 50 Meter Umtrageweg erträglich, wenngleich es sich in den Sommermonaten bei viel Betrieb auch hier häufig staut und mit Wartezeiten beim Benutzen der kleinen Bootsschleppe gerechnet werden muss.

Praktischerweise bietet die ansässige Havel-Nationalparkfischerei Babke auf ihrem Gelände einen Rastplatz mit überdachten Picknickplätzen, Fischverkauf, Imbiss, Sanitäranlagen und Übernachtungsmöglichkeiten auf den Zeltwiesen beidseitig der Havel an. Wer seine Kanutour auf der Havel in Babke beginnen oder beenden möchte, kann das Auto auf dem dazugehörigen Parkplatz abstellen.
Darüber hinaus bieten verschiedene Kanuverleihe der Region von hier aus Shuttle-Services, bspw. zum nur 5 km entfernten »Leppinsee« an der Müritz-Havel-Wasserstraße (»Alte Fahrt«) an.

Weiter auf der Havel folgt schon bald der verwinkelte, mit einer maximalen Tiefe von 3,8 Metern recht flache und zusehends der Verlandung preisgegebene Jäthensee, von dem man als Wasserwanderer allerdings nur das tiefere Nordbecken zu Gesicht bekommt. Denn erneut verläuft eine grün betonnte Fahrrinne über den See, der man einzig bis zum Abfluss der Havel am Ostufer etwa 700 Meter zu folgen hat. Die anderen, weitaus flacheren Ausbuchtungen, sowie die Insel »Schulzenwerder« sind für Paddler tabu, wenngleich nicht uninteressant.

Denn um die Insel mitten im Jäthensee ranken sich nicht nur einige teuflische Sagen und Legenden. Außergewöhnlich reiche Bodenfunde belegen bereits eine mittelsteinzeitliche Besiedlung. Auch Überreste von hölzernen Brücken zum Schulzenwerder sind heute noch aus der Luft erkennbar. Im Zentrum der Insel befindet sich eine spitz-ovale Freifläche, die von Bäumen umringt ist und als slawische Burganlage gedeutet wird. Einige Theorien wollen sogar die bisher unentdeckte Hauptburg und den Kultort der Lutizenstämme »Rethra« dort gefunden wissen.
Obacht ist auch auf dem Jäthensee vor allem bei stärkeren Westwinden geboten! Dann können kurze, steile Wellen und Gegenwind das erzwungene Paddeln mitten über den See unangenehm gestalten. Dafür kann man hier am Abend allerdings mit malerischen Sonnenuntergängen belohnt werden, vor allem wenn man die Havel hinauf paddelt.

Schon ca. 300 Meter hinter der Ausfahrt aus dem Jäthensee mündet ein winziger Treidel(!)-Graben am rechten Ufer in die Havel, der ohne die wegweisende Beschilderung leicht übersehbar ist. Dieser führt nach etwa 170 Metern in den südlich gelegenen, kleinen »Jamelsee«, an dessen östlichen Ende der für Wanderer jeder Art gut ausgestattete »Natur-Campingplatz zum Hexenwäldchen« liegt.
Hier hält man idyllische, spezielle Stellplätze für Wasserwanderer und deren Boote im Wald und direkt am Wasser vor. Baden ist ebenfalls möglich. Der Kanuverleih »Kanubasis Blankenförde« mit Shuttle-Service liegt praktischerweise direkt auf dem Gelände, sodass der Campingplatz zum Hexenwäldchen auch ein idealer Ausgangspunkt für Kanutouren sein kann. In einem kleinen Kiosk kann man sich mit dem Nötigsten versorgen.

Die Aufnahmekapazitäten sind für Wanderer i. d. R. jedoch auf eine Nacht begrenzt. Gruppen werden ohne vorherige Anmeldung überhaupt nicht aufgenommen, da der Campingplatz recht klein (und begehrt!) ist. Außerdem wird penibel auf echte Nachtruhe ab 22:00 Uhr geachtet. Für größere Paddlergruppen eignen sich also ggf. andere Zeltplätze eher. Für Einzelwanderer, die Ruhe suchen, ist das Hexenwäldchen aber ein echter Geheimtipp!
Die Distanz des Abstechers von der Havel über den Jamelsee mit zwei weiteren »wilden« Badestellen am Südufer beträgt hin und zurück etwa 1,6 Kilometer.

Zurück auf der hier im Sommer teils stark bewachsenen Havel erreicht man nach ein paar Flusswindungen die Ortschaften Blankenförde und Kakeldütt, die vom Wasser aus fast unwirklich daherkommen, weil man derartige Infrastruktur in dieser Wildnis und Enge des Fließes eigentlich gar nicht erwarten würde.
Beide Ortsteile sind durch eine Brücke über die schmale Havel miteinander verbunden. Ein Ausstieg am ausgeschilderten Rastplatz für Wasserwanderer mit überdachten Pausenplätzen, mobiler Toilette und Kiosk direkt an der Straßenbrücke lohnt sich, auch wenn Übernachtungen hier nicht gestattet sind.

Auf der anderen Brückenseite (Blankenförde) werden neben Kaffee und Kuchen auch geführte Kanutouren nebst Leihbooten angeboten. Eine Rangerstation mit Nationalpark-Information befindet sich ebenfalls im Ort. Der Campingplatz zum Hexenwäldchen ist von hier aus landseitig zu erreichen und etwa 1 km entfernt. Wer auf dem Weg dorthin in der kleinen »Räucherkate am Hexenwäldchen« einkehrt, kann es sich bei Getränken und Essen gut gehen lassen.
Havel Etappe 2: Kakeldütt – Wesenberg (16 km)
Richtung Havelquelle paddelnd wird man von Blankenförde-Kakeldütt als Erstes eine Reihe Bootshäuser am Fluss bemerken, die heute teilweise als Feriendomizile vermietet werden. Die Havel ist hinter Blankenförde immer noch wild-romantisch, aber nun auch breit genug für Gegenverkehr.
Immer wieder passiert man einladende Uferabschnitte für eine Rast. Schilder weisen aber nachdrücklich darauf hin, dass das Anlanden dort wegen der Zugehörigkeit zum Nationalpark verboten ist.

Nach weniger als einem Kilometer findet man sich schließlich im »Görtowsee« wieder. Die Havel-Ausfahrt befindet sich am langgezogenen südöstlichen Ende des im Schnitt 2 Meter tiefen Sees. Beidseitig säumen ab Juni Seerosen die Ufer. Hier sollte man aus Naturschutzgründen keinesfalls hinein paddeln.

Vom Kanu aus leicht übersehbar liegt die »Pension Fischerhaus« am nordwestlichsten Zipfel des Görtowsees. Da der Havel-Durchfluss südlicher liegt, kommen hier nur wenige Wasserwanderer vorbei und wissen um das hiesige Angebot der Übernachtungsmöglichkeit (auch im Zelt) mit Frühstück im stillen Grün. Seit einigen Jahren ist allerdings ein Mindestaufenthalt von 3 Nächten mit Voranmeldung Bedingung, sodass die Pension ohnehin für die meisten Paddler kaum mehr in Frage kommen dürfte.

Es folgt nach einem kurzen Havel-Abschnitt der etwa 800 Meter lange »Zierzsee«, dessen grüne Betonnung erneut die Fahrtrichtung zum Abfluss der Havel im Nordosten vorgibt. Nach einem Bogen in südliche Richtung, um die Halbinsel »Ziegenwinkel« herum, fährt man schließlich in den Useriner See ein, den letzten ca. 5 km langen Havel-See im Müritz-Nationalpark.
Eine Boje an der Ausfahrt bietet auch hier Wasserwanderern, die flussaufwärts paddeln, Orientierung. Das komplette Nordufer des Useriner Sees bis zur Ausfahrt und der sich anschließende »Kramssee« sind gänzlich für Wasserfahrzeuge gesperrt (gelbe Bojen).

Das namensgebende Dorf Userin liegt mittig am Ostufer des maximal 10 Meter tiefen und ebenfalls windanfälligen Useriner Sees. Bei stärkeren Winden paddelt man optimalerweise die ablandige Seeseite, ohne jedoch zu dicht in Röhricht- und Oberflächenpflanzen zu fahren oder gar anzulanden (Naturschutz!).
Am südwestlichen Ufer, sowie an Einbuchtungen und der Ein- und Ausfahrt befinden sich alte Holzpfähle oder Fischerstellnetze im Wasser, die möglichst weiträumig umpaddelt werden sollten. Gleiches gilt für die zwei kleinen Inseln im See.

Die drei Anlande- und Rastmöglichkeiten für Wasserwanderer finden sich zum einen östlich in der Ortslage Userin am Badestrand, sowie am benachbarten Bootsanleger. In Userin gibt es neben Ferienwohnungen und gastronomischen Angeboten auch einen Minimarkt für Dinge des täglichen Bedarfs.

Ganz im Süden des Sees, im Ortsteil Useriner Mühle, befindet sich seit einigen Jahren ebenfalls ein Rastplatz mit Badestelle, Spiel- und Parkplatz. Wer möchte, kann auf dem kleinen, oberhalb liegenden Campingplatz mit Blick auf den Useriner See auch übernachten. Ein Shop erlaubt hier ebenfalls nötigste Einkäufe.
An der benachbarten ehemaligen Useriner Mühle, wo die Havel einst den See verließ, befindet sich heute ein Kanuverleih mit Shuttle-Service (»Fritzi´s Kanu4you«). Zwischen Campingplatz und Mühle rundet ein Restaurant das Angebot ab.

Ein zweiter, etwas größerer Campingplatz befindet sich am Südwestufer des Useriner Sees. Auch hier ist man auf Wasserwanderer eingestellt und mit Shop, Sanitäranlagen, Bootsverleih, Liegeplätzen, Sport- und Spielplatz, naher Gaststätte, Badestrand sowie FKK-Bereich ebenso gut ausgestattet.

Seit 1935 verlässt die Havel das südliche Useriner Seeufer über einen kurzen Kanal mit Straßenbrücke, an dessen Ende die erste Schleuse bei Zwenzow zu überwinden ist, um in den Großen Labussee zu gelangen. Auch wenn die Schleusenkammer mit fast 80 Metern die längste in der Mecklenburgischen Seenplatte ist, so wird wegen des Motorbootverbots auf dem Useriner See doch recht selten geschleust. Bis zuletzt gab es sogar immer wieder Überlegungen, die Zwenzower Schleuse stillzulegen.
Für Wasserwanderer steht, unabhängig davon, am linken Ufer eine Bootsschleppe an Stegen bereit, um die Zwenzower Schleuse auf ihren 140 Metern Umtrageweg mit dem Kanu zeitunabhängig zu passieren.

Der Schleusenkanal nahe des Feriendorfes Zwenzow markiert gleichzeitig den Übergang der Havel zur Oberen-Havel-Wasserstraße. Das bedeutet vor allem, dass nun Motorbootverkehr gestattet ist, auch wenn das Westufer des maximal 12 Meter tiefen Großen Labussees zum Großteil noch dem Müritz-Nationalpark zugehörig ist. Der in Sichtweite liegende Ortskern von Zwenzow am Nordwestufer lädt mit einem weiteren Campingplatz und Badestellen zu Pausen ein.

Die Havel verlässt nur einen Kilometer östlich der Zwenzower Schleuse den Großen Labussee bereits wieder. Vom großen Rest des sich über etwa 2,5 Kilometer erstreckenden Gewässers bekommt man als Wasserwanderer also nicht viel mit, wenn man dem Flusslauf folgt. Dabei gibt es auch am Südostufer, im Waldgebiet »Zwenzower Tannen« (Nationalpark), noch einen schönen Hotelstrand mit Spielplatz am Großen Labussee zu entdecken.

Paddelt man anschließend noch 600 Meter weiter in einen Kanal am südlichsten Seezipfel, erreicht man darüber auch den »Kleinen Labussee«, an dessen Ende sich ebenfalls ein ruhiger, familienfreundlicher und von Wald (»Quassower Tannen«) umgebener Campingplatz befindet. Auch an Wasserwanderer hat man hier mit Kanulager- und Zeltstellplätzen direkt am Wasser gedacht. Von hier aus ist das Zentrum der Stadt Wesenberg landseitig nur wenige Gehminuten entfernt.

Letztlich gelangt ebenfalls nach Wesenberg, wer dem Lauf der nun bis zu 20 Meter breiten, sogenannten »Quassower Havel« aus dem Großen Labussee folgt. An der ausgeschilderten und betonnten Ausfahrt ragen kleine Molen bis in den See hinein, die immer mal wieder als Rastplatz zweckentfremdet werden. Dabei liegt nur wenige hundert Meter südlich davon die Ortschaft Klein Quassow direkt am Großen Labussee.
In der nordöstlichen Ausbuchtung davor befindet sich ein großes Flach. Für Paddler, die in dem beschaulichen Hafen des kleinen Ferienortes nebst Badestelle anlegen möchten, sollte die Untiefe aber kein Problem darstellen.

Die andere Seite von Klein Quassow kann man wasserseitig von der Quassower Havel aus erreichen, wenn man dieser nur wenige hundert Meter bis zur Straßenbrücke Userin-Wesenberg folgt. Rechts vor der Brücke gibt es weitere private Sportbootanleger einer Quassower Bungalowsiedlung.
Links fließt über einen Seitenarm mit Bootsschuppen die »Alte Havel«, von der Useriner Mühle kommend, zu. Gleich hinter der Brücke befindet sich der Kanuanleger des »Feriendorfes Großer Labussee« mit Kanuverleih, Café bzw. Bistro und diversen Übernachtungsmöglichkeiten (auch im Zelt!) in Klein Quassow. Sanitäre Einrichtungen sowie ein Spielplatz gehören ebenfalls zur Ausstattung.

Die nächsten etwa drei kanalartigen Kilometer auf der Quassower Havel sind recht eintönig, bevor sie schließlich am Westufer des Nordbeckens in den größten Havelsee Mecklenburg-Vorpommerns mündet: den »Woblitzsee« (oder einfach »Woblitz«).
Dass der See naht, erkennt man an zwei weiteren Brücken, die unterquert werden: zum einen die Nebenbahnverbindung Neustrelitz–Wesenberg–Mirow (»Kleinseenbahn«) mit Haltepunkt auch an der Havel bei Groß Quassow, zum anderen die anschließend folgende Straßenbrücke, hinter der es am linken Ufer Anlegemöglichkeiten für Boote gibt, um wahlweise über eine Sport- und Spielfläche zum 400 Meter entfernten Bahnhaltepunkt bzw. in den Ort Groß Quassow oder auf anderer Havelseite zum hiesigen Campingplatz zu gelangen.

Wer den gut ausgestatteten Campingplatz »Havelberge Campingresort« ansteuern will, paddelt aber besser noch ein paar hundert Meter weiter bis zur Mündung der Quassower Havel in den Woblitzsee (Vorsicht bei starkem Wind!). Der Landzipfel rechts der Havel bis zur Campingplatz-Marina am See ist hier für Wasserwanderer reserviert.
Geliehen werden können Kanus und Equipment derweil am anderen Ende des großen Campingplatzes beim Bootsverleih mit eigenen Anlegern. Neben Restaurant und Imbissangeboten, einem SB-Markt mit frischen Brötchen, Sanitäranlagen und einem Strand gibt es auch viele Freizeitgestaltungsmöglichkeiten am 5-Sterne-Campingplatz.

Über den »Kammerkanal« am Nordufer des Woblitzsees ist auch Neustrelitz mit dem »Zierker See« an die Obere-Havel-Wasserstraße angebunden. Nur 400 Meter östlich davon fließt der sog. »Floßgraben« bei Voßwinkel zu (Vorsicht: Steine am Uferbereich davor!), über den man theoretisch bis nach Fürstensee gelangen kann. Das Fließ in Gänze ist allerdings nur bedingt paddelbar.
Im Bereich bis zur ersten Brücke mit Bungalows und Bootsschuppen bietet sich aber womöglich eine Rastmöglichkeit. Am Ostufer des Woblitzsees gibt es, abgesehen von einer Steganlage nebst Badestelle des kleinen Bootswerft-Standortes Below, ansonsten kaum mehr gute Anlandemöglichkeiten.

Das dichtbewachsene Seeufer mit vielen Ausbuchtungen verengt den Woblitzsee auf etwa der Hälfte zu einem nur 300 Meter breiten Schmal (Vorsicht: womöglich Wasserski-Betrieb!). Am Südostufer gibt es erst wieder kurz vor der Havel-Ausfahrt eine öffentliche Badestelle mit Picknickplatz und vorgelagerter Parkmöglichkeit, die sich auch ideal als Einsetzstelle für Kanus eignet.

Weitere Camping- bzw. Rastmöglichkeiten befinden sich vor allem im Südbecken des ca. 4,5 km langen Woblitzsees, rund um die erste Stadt an der Havel: Wesenberg.
Auf dem Weg über das Westufer dorthin befinden sich vor und hinter einem Landhaken zunächst kleine Badestellen. Es folgt ein Bootsanleger und einige Bootsschuppen, bevor man um ein Sperrgebiet herum, in der südwestlichsten Bucht des Sees (für Motorboote gesperrt) einen kleinen Stichkanal mit Sliprampe an der ehemaligen Holzindustrie Wesenberg erreicht. Da dieser direkt an einer Straße neben Brachland liegt, eignet er sich gut zum Ein- und Aussetzen mit dem Kanu. Das Gelände zwischen Woblitz und dem angrenzenden »Zühlensee« soll perspektivisch allerdings zum Ferienpark entwickelt werden, sodass der Bestand fraglich ist.

Der Uferlinie Wesenbergs südlich folgend, halten das Vereinsgelände des SV Union Wesenberg (für DKV-Mitglieder) und wenig später, in eine zweite Bucht einfahrend, auch der hiesige Fischereihof sowie der folgende Hafen von Wesenberg weitere (offizielle) Rast- und Zeltmöglichkeiten am Woblitzsee vor.

Am kleinen Stadthafen mit Wasserwander-Rastplatz ist neben Übernachtungen im Zelt auch für das leibliche Wohl im angeschlossenen Biergarten mit Imbiss gesorgt. Überdachte Picknickplätze, ein Spiel- und Sportplatz, etwas beengte, aber gepflegte Waschräume und ein kleiner Kanuverleih gehören ebenfalls zum Angebot vor Ort. Die sehenswerte Burg, der Bahnhof, weitere gastronomische Einrichtungen sowie Einkaufsmöglichkeiten am Stadtzentrum Wesenbergs liegen nur wenige Gehminuten entfernt.
Mit dem Kanu hält man sich in der Hafeneinfahrt Backbord. Kurz vor der Steganlage gibt es an der linken Zeltwiese eine kleine Anlandestelle. Bei wenig Auslastung kann das Kanu aber auch direkt am Steg vertäut werden.

Havel Etappe 3: Wesenberg – Kleinmenow (16 km)
In der südöstlichsten Bucht des Woblitzsees, unweit des Hafens, befindet sich die heute kanalisierte Havel-Ausfahrt. Der Havel-Radweg , der ab der Quelle stets gewässernah folgte, wird ab Wesenberg vorerst kein ständiger Begleiter mehr sein.
Nur wenige Meter hinter der zunächst folgenden Straßenbrücke der B 198 befinden sich mit der »Kanu-Mühle« und der Marina Wesenberg bereits die nächsten gut ausgestatteten Rastmöglichkeiten am linken Havelufer. Sanitäranlagen sowie gastronomische Angebote sind neben diversen Übernachtungsoptionen obligatorisch. Wer Kanus leihen möchte, ist an der alten Havelmühle womöglich besser aufgehoben, aber an beiden Standorten werden Boote vermietet.

Die Marina bietet darüber hinaus auch einen Wartungs- und Reparatur-Service für Boote und man rastet direkt vor der nun folgenden Schleuse Wesenberg. Ungeduldige Paddler können diese wieder mittels benachbarter Bootsschleppe am rechten Ufer umtragen. Während der Saison ist die Wesenberger Schleuse aber ohnehin oft im Dauerbetrieb, sodass man sich als Wasserwanderer auch mit den großen Booten durchschleusen lassen kann (mögliche Anweisungen, Schleusen- und Wartezeiten beachten!).

Die Havel ist auf den fast 4 Kilometern vom Woblitzsee bis in den »Drewensee« bei Ahrensberg schon seit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts kanalartig ausgebaut und wurde aufgrund der Schleuse (einst aus Holz) ebenfalls lange Zeit als »Kammerkanal« bezeichnet.
Die »Alte Havel« wird heute, von der ehemaligen Wassermühle kommend und noch vor der Schleuse, mittels Düker unter dem Kanal hindurchgeführt und verläuft für die Schifffahrt gesperrt etwa einen Kilometer parallel zum Wesenberger Kammerkanal, bis sie schließlich gemeinsam mit der bei Paddlern beliebten »Schwaanhavel« wieder in den Havelkanal mündet (OHW km 81).

Eine Straßenbrücke kündigt das baldige Ende des recht eintönigen Kanals an. Kurz davor nimmt die alte Havel auch hier, als kaum wahrnehmbarer und nicht (durchgängig) paddelbarer Kanalabzweig mit Schöpfwerk am linken Ufer, ihren ursprünglichen Lauf durch Ahrensberg. Direkt hinter der Brücke gibt es eine Rastmöglichkeit am linken Ufer, über die das Dorf landseitig erkundet werden kann.

Das alte Gut Ahrensberg liegt auf einer Halbinsel mit slawischem Burgwall, die den nun erreichten Drewensee zweiteilt. Ein bis zu 5 km langer Abstecher von der westlichen Oberen-Havel-Wasserstraße in den langgezogenen und verwinkelten Ostteil des Sees, der für den öffentlichen Motorbootsverkehr gesperrt ist, kann sich lohnen, wenn man etwas Ruhe oder einen Campingplatz (mit Kanuverleih) sucht. Davon gibt es am Nordufer des Drewensees nämlich gleich zwei. Der Zufluss vom »Kleinen Drewensee« am östlichen Ende ist gesperrt.

Der Havel weiter folgend, sticht bald eine 1929 erbaute, hölzerne Hausbrücke ins Auge, die den Drewensee vom kleinen »Finowsee« trennt. Sie ist eine der letzten ihrer Art in Norddeutschland und ersetzte einst eine Wassermühle.
Gleich nebenan gibt es ein Wiedersehen mit den Wesenberger Fischern, die an der Holzbrücke einen Fischereihof mit Fischimbiss und Getränken vom Fass betreiben. Ein Stopp zur Rast lohnt sich. Man kann gut mit dem Kanu anlanden. In der Saison ist die Lokalität allerdings oft überlaufen. Kanus müssen dann häufig aus dem Wasser!

Nach der historischen Hausbrücke von Ahrensberg macht die Havel auf dem folgenden Finowsee einen Schlenker und fließt nach etwa 1,5 Kilometern von Westen in den »Wangnitzsee«. Auf dem Weg dorthin gibt es am bewaldeten, linken Havelufer mehrere »wilde« Anlandemöglichkeiten.

Der Wangnitzsee ähnelt vom Erscheinungsbild dem Drewensee und ist ebenfalls für Motorboote tabu. Es gibt mehrere kleine Inseln und Sperrgebiete. Über einen Zufluss schließt nordwestlich auch der »Kleine Wangnitzsee« an, der generell nicht befahren werden darf. Am nordöstlichen Ende des etwa 2,5 km langen Gewässers befindet sich auch hier ein Naturcampingplatz mit Leihmöglichkeit von Kanus auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerks Düsterförde.
Die nur etwa 1 km entfernte Bahnanbindung wurde leider aufgegeben. Dafür ist das Südostufer des Wangnitzsees auch über eine Kreisstraße (Düsterförde–Priepert) mit Kfz-Abstellmöglichkeit anfahrbar. Die kleine Badestelle neben der Straße eignet sich zum Ein- und Aussetzen von Kanus.

Die Obere-Havel-Wasserstraße streift nur den westlichsten Teil des Wangnitzsees und fließt kaum 300 Meter nach ihrem Zufluss schon wieder in südlicher Richtung durch ein Schmal hinter einer kleinen Insel ab. Der »Große Priepertsee« nimmt sie anschließend über eine Bucht (»Kleiner Priepertsee«) auf anderer Seite auf.
Am Südufer des über 2 km langen Havel-Gewässers liegt die namensgebende Ortschaft Priepert. Auf dem Weg dorthin ist ein Großteil des Ostufers (sporadisch) für den Wasserski-Sport reserviert! Weiße Tonnen kennzeichnen den dann zu umfahrenden Bereich.

In Richtung Süden lichten sich beidseitig bald die Baumreihen und es folgen erste Bungalows von Priepert am südöstlichen Ufer. Die öffentliche Badestelle mit Badesteganlage, Park- und Picknickplätzen, Snackautomat, mobiler Toilette (im Sommer) und Spielplatz, nebst Wohnmobilpark und Festwiese folgt.
Wer eine Übernachtungsmöglichkeit sucht, steuert die nur 100 Meter weiter südlich liegende »Kanustation Priepert« an, die mit Stegen, Zeltwiese, Bungalow, großzügigem Schlechtwetter-Unterstand, Grill- und Feuerplatz, sowie Kanu- und Bootsverleih bestens für Paddelpausen ausgestattet ist. Größere Gruppen sollten sich vorher allerdings anmelden.

Alternativ paddelt man nur wenige hundert Meter westlich über die Havelverbindung zur anderen Ortseite von Priepert, am südlich angebundenen »Ellbogensee«. Vor der Straßenbrücke nach Strasen, die man zunächst an der Ausfahrt aus dem Priepertsee passiert, gibt es Backbord die Möglichkeit, Kaffee, Kuchen und regionale Spezialitäten auf einem Hof direkt am Wasser zu genießen. Das Café mit Ferienwohnungen »Ankerplatz Priepert« hält zum Anlegen Stege bereit.

Nach dem etwa 500 Meter langen Havelabschnitt durch Priepert, dessen Ufer hauptsächlich von Privatgrundstücken gesäumt sind, folgt nach der Ausfahrt in den Ellbogensee direkt der Yachthafen am linken Ufer. Auch hier gibt es Anlandestege für Kanus, ein Restaurant, Waschräume, einen Parkplatz, sowie einen benachbarten Kanuverleih mit Kanu-Shop und Reparaturwerkstatt.
Wer für die Nacht kommt, lässt den Yachthafen Priepert allerdings links liegen und legt nur wenige hundert Meter weiter an einem zweiten Hafenbecken mit Bootshäusern bei der »Havelperle« an. Mit Badestelle, überdachten Sitzplätzen und Kiosk mit Frühstücksservice vervollständigt die ganzjährig geöffnete Campinganlage das Angebot für Wasserwanderer am Hafen von Priepert.

Der vermutlich wegen seiner z-förmigen Gestalt so benannte Ellbogensee verbindet bei Priepert die Müritz-Havel-Wasserstraße (MHW) mit der Oberen-Havel-Wasserstraße. Schlägt man nun den westlichen Weg nach Strasen ein, paddelt man also Richtung »Müritz« auf der MHW.
Der Havel folgt man über das längere Mittelbecken des Sees Richtung Südosten. Da sich beide Wasserstraßen hier kreuzen, gibt es es an manchen Tagen ein entsprechend großes Verkehrsaufkommen von Sportbooten auf dem Ellbogensee. Lichte Stellen am ansonsten bewaldeten Ufer lassen immer wieder Paddelpausen zu.

Ein Schmal grenzt das wieder ruhigere Südbecken des Ellbogensees vom Mittelbecken ab. Bei Großmenow, am südlichsten Seezipfel, befindet sich mit »Naturcamping am Ellbogensee« ein beliebtes Rastziel für Paddler, nur etwa 2,5 km von Priepert entfernt. Die separaten Zeltwiesen für (Wasser-)Wanderer am Uferhang bieten auch größeren Gruppen genügend Platz und ausreichend Abstand zu anderen Campinggästen. Stege, eine Badestelle, Sanitärgebäude, überdachte Sitzplätze, ein Kanuverleih, ein Bio-Laden mit Café, und ein Spielplatz gehören ebenfalls zum Angebot des Campingplatzes.
Mit dem Kanu legt man am besten am östlichen Ende an einem kleineren Holzsteg, direkt neben der Zeltwiese, an. In Großmenow, das bereits zu Brandenburg gehört, gibt es außerdem ein Wiedersehen mit dem Havel-Radweg. Der Fürstenberger Ortsteil bietet mit dem »Kastanienhof« auch eine weitere Möglichkeit zum Leihen von Kanus und Ferienwohnungen.

Vorbei an der hiesigen Badestelle sowie mehreren privaten Sportbootanlegern und Stegen paddelt man die letzten kaum mehr zwei Kilometer auf dem Ellbogensee wieder in westliche Richtung. Das rechte Seeufer ist nun Landesgrenze.
An der Ausfahrt des Ellbogensees, dort, wo bis 1945 eine Brücke Mecklenburg und Brandenburg verband, haben sich die »Campingfreunde zum Einsiedler« eine kleine Campingwiese am rechten Havelufer hergerichtet. Wie der Name schon verrät, bleibt man hier allerdings lieber unter sich.

Ein kurzer Havelbogen führt schließlich vom Ellbogensee in den »Ziernsee«. Das ambossförmige Gewässer erstreckt sich über zwei Kilometer Richtung Nordosten und bis zu einen Kilometer nach Süden. Der Ziernsee ist der letzte Havelsee in Mecklenburg-Vorpommern. Auch hier bilden die Südufer weitestgehend die Grenze zu Brandenburg.

Bereits von Weitem erkennbar an vielen Sportbootanlegern, liegt zentral am bewaldeten Nordufer des Ziernsees ein weiterer kleiner, aber gut ausgestatteter Campingplatz der Haveltourist GmbH. Die Zeltwiese für Wasserwanderer befindet sich am westlichen Rand des Campinggeländes, hinter einer Badestelle. Zum Angebot gehören außerdem ein Kiosk, ein Spiel- und Sportplatz sowie Sanitäreinrichtungen. Parken ist an der östlichen Zufahrt, neben der Rezeption, möglich.
Nicht unerwähnt bleiben soll auch ein kaum 600 Meter entferntes, aber privates (!) Jugendferiencamp mit Bootsanlegern am nordöstlichen Ende des Ziernsees, wo sich der flache »Zerlingsee« anschließt.

In der südlichen Ausbuchtung des Ziernsees bei Kleinmenow (OHW km 68) kann noch einmal an mehreren kleinen Anlande- und Badestellen gerastet werden, bevor die Havel nach 51 Kilometern schließlich das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern verlässt und als »Steinhavel« nach ca. 6 weiteren Kilometern und einer Schleuse das brandenburgische Städtchen Fürstenberg/Havel mit vielen weiteren Optionen zum Rasten, Übernachten, Kanus leihen und Weiterpaddeln erreicht.

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