Kanutour Landgraben

Inhaltsverzeichnis
Kanutour Landgraben: Kurze Gewässerkunde Kanutour Landgraben: Regelungen & Anspruch Kanutour Landgraben Etappe 1: Klempenow – Kavelpass | Friedland (23 | 27 km) Kanutour Landgraben Etappe 2: Friedland – Ferdinandshof (23 km) Kanutour Landgraben: Weiterführende Infos Kanutour Landgraben: VideoKanutour Landgraben: Kurze Gewässerkunde
Der »Landgraben« ist ein Wassergraben(-System) und bildet nach »Recknitz«, »Trebel« und »Tollense« die östliche Fortsetzung des »Grenztals« und damit der natürlichen Wassergrenze zwischen dem historischen Mecklenburg und Pommern, die auch namensgebend war.
Das Grabensystem besteht, neben zahlreichen kleineren Fließen, im Wesentlichen aus dem »Großen Landgraben«, in den der »Kleine Landgraben« einmündet und sich als »Neuer- oder Mittelgraben« und schließlich als »Landgraben« fortsetzt. Genau genommen handelt es sich auch bei all diesen Fortsetzungen um mehr oder weniger eigenständige Gewässer mit teils sogar unterschiedlichen Fließrichtungen.
Als Wasserwanderer können wir diesem fast strömungslosen Grabennetz, von der Tollense kommend, theoretisch etwa 46 km folgen, bevor der Landgraben bei Ferdinandshof endet bzw. ab dort als »Zarow« Richtung »Stettiner Haff« weiterfließt. Auf dem Weg dorthin führt der oft flache und verkrautete Landgraben durch einsame Wiesen, Sümpfe und Moorgebiete.
Bei weniger als 10 Metern Breite ist er streckenweise (oberirdisch) unterbrochen. Dafür wird man mit einer einzigartigen (und deshalb geschützten) Landschaft mit Beobachtungsmöglichkeiten von seltenen Tieren und Pflanzen belohnt.
Kanutour Landgraben: Regelungen & Anspruch
Der Landgraben ist ein nicht schiffbares Gewässer und wird nur selten bepaddelt (am besten im zeitigen Frühjahr). Er ist aufgrund möglichen Niedrigwassers, starker Verkrautung, vieler Umtragestellen, keinerlei Infrastruktur für Paddler und schwieriger Ein- und Ausstiege nicht anfänger- oder familientauglich und führt streckenweise durch Moor- und Sumpfgebiete. Ab dem Wehr Kavelpaß ist er einfacher paddelbar. Eine Kanutour auf dem Landgraben ist abenteuerlich.
Der Landgraben führt am Naturschutzgebiet Putzarer See vorbei und ist ab Breest bis zur Straßenbrücke L 311 bei Löwitz als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen.
Kanutour Landgraben Etappe 1: Klempenow – Kavelpass | Friedland (23 | 27 km)
Wer es mit dem Landgraben aufnehmen will, kann die Kanutour an der Kanustation in Klempenow beginnen. An der Burganlage gibt es einen Parkplatz. Hier fließt die Tollense vorbei. Direkt hinter dem nahen Wehr macht der Fluss einen Knick nach Westen und auf gleicher Höhe mündet unscheinbar, von Osten kommend, der Große Landgraben ein. Die Tollense setzt seinen Lauf durch das Grenztal nun fort.

Mit dem Kanu kann man hinter dem Wehr in die Tollense oder ein paar hundert Meter weiter Richtung Breest/A 20 hinter der ersten kleinen Brücke (mit Wehr) direkt in den Landgraben einsetzen. Bei Letzterem erspart man sich so die erste von vielen Umtragestellen. Das Einsetzen kann allerdings unkomfortabler sein. In unmittelbarer Nähe, gleich zu Beginn des Landgrabens, steht rechtsseitig ein Nachbau des ehemaligen »Wehrspeichers Wodarg « aus frühdeutscher Zeit. Links stehen Wohnhäuser. Ansonsten bekommt man von der umliegenden Landschaft wenig mit.

Zunächst paddelt man auf dem 5–6 Meter breiten Graben gegen die (kaum merkliche) Strömung. Die Ufer sind gesäumt mit mal mehr, mal weniger dichtem und hohem Schilfbewuchs sowie kleinen Bäumen. Spätestens ab Ende Mai ist auch die Wasserfläche streckenweise stark mit Schwimmblattpflanzen und Schilfrohr bewachsen. Ein Vorankommen kann schwierig sein. Wehre und andere Umtragestellen, an denen das Wasser oft steht, kündigen sich häufig schon mehrere Meter vorher durch plötzlich dichter werdenden Bewuchs an.

Nach etwa einem Kilometer unterquert man die Brücke der Autobahn 20. Bei Breest folgt nur wenig später eine weitere kleine Brücke. Ansonsten bleibt es, abgesehen von zwei weiteren kleinen Umtragestellen, recht eintönig auf den folgenden Kilometern Richtung Süd-Ost. Der oft begradigte, mal schmalere, mal breitere Landgraben führt hier vorbei an Weiden, Wiesen, Feldern und einigen alten Torfstichen.

Ab Janow werden die Ufer waldiger. Kaum bemerkbar zweigen links und rechts immer wieder Entwässerungsgräben ab. Bald taucht eine Straßenbrücke auf, die von Wodarg nach Janow führt. Hier versteckt sich in einer unscheinbaren Baumgruppe am linken Ufer die Ruine der »Veste Landskron « (Großer Landgraben km 6). Rast und Besichtigung der verwunschen anmutenden Burganlage aus dem späten 16. Jahrhundert lohnen sich, auch wenn der Ausstieg an der Brücke aufgrund des steilen Ufers schwierig sein kann.
Schon Caspar David Friedrich inspirierte die früh aufgegebene Feldsteinburg zu seinem Gemälde »Rast bei der Heuernte « von 1834, als sie bereits in Trümmern lag. Errichtet wurde sie wohl auf den Überresten einer jungslawischen Burg.
Folgt man dem Brückenweg zur rechten (südlichen) Seite, liegt im Wald versteckt ein noch älterer Burgwall aus frühslawischer Zeit. Auch eine Vielzahl an Steingräbern, Turmhügeln und weiteren Burgruinen gibt es in der Umgebung entlang des gesamten Landgrabens zu entdecken.

Knapp einen Kilometer hinter Janow folgt eine weitere Umtragestelle. Bei Rehberg wartet bereits die nächste, mit kurz darauf folgender schmaler Brücke. Dieser Abschnitt wird vor allem landwirtschaftlich genutzt. Der mehrfach begradigte Landgraben ist hier wieder etwas kurvenreicher. An Äckern und Viehweiden vorbei mündet ungefähr bei km 10 schließlich der Kleine Landgraben recht unscheinbar, von Süden kommend, ein.
Diesen noch schmaleren Graben mit dem Kanu zu befahren, ist sicher kaum empfehlenswert, wenngleich im Frühjahr bei gutem Wasserstand vielleicht ein paar Kilometer südwärts möglich. Gleiches gilt auch für das andere Ende, von der Tollense kommend. Problematisch ist hierbei nur, dass der Graben in zwei Richtungen entwässert und somit im mittleren Quellbereich am schmalsten ist. So bleibt man möglicherweise unerwartet auf der Hälfte des Fließes mangels Wassers stecken, obwohl das Gewässer an Anfang und Ende breit und tief genug schien.

Ähnliches gilt für den Mittel- oder Neuen Graben, wie sich der Große Landgraben ab der Einmündung des kleineren nun nennt. Wir nähern uns nun auch hier dem Scheitelbereich und drei zu umtragenden Furten (Durchlässe). Der Mittelgraben ist auf Höhe Japenzin sehr schmal, im Sommer meist völlig zugewachsen und wurde zugunsten der Renaturierung des Landgrabentals zwischen Rebelow und Zinzow teilweise verschlossen. Das Vorankommen kann aufgrund des Niedrigwassers deshalb zu einem echten Kampf werden!
Notfalls steigt man an einer der Umtragestellen aus und treidelt bzw. schiebt (!) das Kanu mit Bootswagen etwa 1 Kilometer durch das hohe Gras. Alternativ funktioniert (mit Unterbrechungen) möglicherweise auch der Umweg über den auch nicht viel schmaleren, zuvor eingemündeten »Ramelower Graben«.

Schon bald wird der Landgraben aber wieder etwas breiter, die Landschaft sumpfiger. Der Mittelgraben verläuft nun stark kanalisiert mit vielen abzweigenden Gräben und alten Torfstichen durch geschützte Hangquellmoore mit Feuchtwiesen und Trockenhängen, auf denen Schafe und Wasserbüffel weiden.
Zwischen Ramelow und Rebelow erreichen wir nach vier weiteren dicht aufeinander folgenden Umtragestellen zwei niedrige Brücken direkt hintereinander, die unterquert werden müssen. Bei der zweiten Brücke aus Beton handelt es sich um eine ehemalige Eisenbahnbrücke der »Mecklenburg-Pommerschen Schmalspurbahn« (MPSB). Ein Ausstieg hier ist nicht unbedingt zu empfehlen, da Moorgebiet. Etwa einen Kilometer weiter folgt erneut eine Umtragestelle, die sich besser für eine Pause eignet.

Immer wieder ist der Neue Graben auf den folgenden 7 Kilometern bis Zinzow sehr schmal oder durch z. B. Verschlüsse und Biberbauten gar unterbrochen und führt durch mehrere größere und kleinere Sumpfseen bzw. alte Torfstiche (Orientierung wichtig!) nun zunehmend Richtung Süden. Außerdem entwässert er fortan ostwärts. Dieses renaturierte Stück des Landgrabentals ist wohl das natürlichste und wildeste im gesamten Verlauf. Hier finden sich viele seltene und geschützte Pflanzen- und Tierarten. In der Nähe bieten der »Katerberg« und ein Aussichtsturm vor Zinzow einen guten Blick über das Landgrabental.

Hinter Zinzow folgt noch eine Umtragestelle an einer Straßenquerung. Über diesen Weg gelangt man bei Bedarf auch zum hiesigen Schloss mit Übernachtungsmöglichkeiten. Anschließend macht der Landgraben wieder einen Bogen Richtung Osten und kreuzt nach weiteren ca. 2 km bei Kavelpaß die Bundesstraße 197. Kurz vorher vereinigt er sich mit der aus Friedland zufließenden »Datze«. Direkt an der Datze-Mündung gibt es noch eine kleine Umtragestelle. Etwa 23 Kilometer auf dem Landgraben sind nun geschafft.
Wer einen Ort zum Nächtigen sucht, kann entweder die Datze noch (über Wehre) etwa 4 Kilometer bis zum Mühlenteich in Friedland hinauf paddeln und bei der Wassermühle oder ein Stück weiter an einem Caravanstellplatz (Am Brink) sein Zelt aufschlagen. Hier gibt es auch Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe, die fußläufig erreichbar sind. Ansonsten unterquert man am besten die Straßenbrücke bei Kavelpaß und sucht sich ein ruhiges Plätzchen am nächsten, direkt folgenden und ohnehin zu umtragenden Wehr.

Kanutour Landgraben Etappe 2: Friedland – Ferdinandshof (23 km)

Direkt zwischen Brücke und dem Wehr bei Kavelpaß fließen von Norden der »Peene-Südkanal«, der eine Wasserverbindung zur »Peene« herstellt, und von Süden der »Faule Graben« zu, was den Landgraben zusammen mit dem Wasser der Datze endlich etwas breiter (bis zu 10 Meter) werden lässt. In den warmen Monaten ist er allerdings auch hier häufig, vor allem mit Seerosen, verkrautet. Auf den folgenden 4,5 Kilometern verläuft der Landgraben fast schnurgerade, vorbei an alten Torfstichen am rechten und Wiesenflächen am linken Ufer.

Dann knickt der Landgraben nach rechts ab und wird südlich an dem im Durchschnitt nur 0,4 m tiefen »Putzarer See« vorbeigeleitet, den er einst durchfloss. Der flache, schwer zugängliche Verlandungssee ist überregional bedeutsam als Brut-, Rast- und Durchzugsgebiet für zahlreiche gefährdete Vogelarten und als einer der wenigen (reaktivierten) Reste des ehemaligen Durchströmungsmoores im Landgrabental deshalb als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Vom Kanu im Landgraben aus bekommt man davon allerdings nicht viel mit. An einem Schöpfwerk auf Höhe des Sees kann nach ca. 6,5 Kilometern eine Pause eingelegt werden.

Auch etwa 3 km weiter, am Ende des Putzarer Sees, gibt es eine niedrige Brücke über den Landgraben entlang eines Feldweges, die zur Rast genutzt werden kann. Über diesen Feldweg ist auch der Ort Schwichtenberg mit Bahnmuseum der bereits erwähnten Mecklenburg-Pommerschen Schmalspurbahn, die einst im Landgrabental verkehrte, fußläufig schnell erreichbar (etwa 1 km entfernt). Nach zwei Grabenwindungen und ca. 1,5 Kilometern unterquert man anschließend auch die Brücke der Landesstraße 311 nach Schwichtenberg.

Auf nahezu gleicher Distanz dahinter folgt ein Wehr, das wieder umtragen werden muss. An der meist steilen und bewachsenen Uferböschung kann das Aus- und Einsetzen herausfordernd sein. In einem großen Bogen den »Lübkowsee« umfließend, beginnt danach einer der reizvollsten Abschnitte des Landgrabens bis Ferdinandshof. Hier paddelt man, sonst so untypisch, entlang bewaldeter Ufer mit abwechslungsreicher Vegetation. Ein kleines Naturparadies mit singenden Vögeln und schwirrenden Libellen tut sich plötzlich auf. Das Wasser des Landgrabens schlängelt sich spiegelglatt und seelenruhig, fast heimlich hindurch.

Vom Kanu aus nicht zu erkennen, liegt eine Badestelle mit Liegewiese und Picknick-Platz an der linken Uferseite hinter dem Schilfgürtel, die zum nahen See gehört. Sogar Stege mit Bootsanlegern gibt es dort. Zwei kleine Fußgängerbrücken über den Landgraben stellen die Verbindung her und verraten, dass es hier mehr zu entdecken gibt.
Wenn es gelingt, an der steilen und bewachsenen Uferböschung an der ersten Brücke auszusteigen, steht man vor dem Gasthaus »Melittas Seeblick« - ein guter Ort für eine Imbiss- oder Kaffeepause auf der Terrasse (seit 2024 leider bis auf Weiteres geschlossen!). Oder man macht es sich direkt am Strand gemütlich. Ein Stückchen weiter findet man auch dazugehörige Bungalowkolonien, in die man sich teilweise einmieten kann. Hier gibt es tatsächlich einen Hauch von Tourismus im sonst so kargen und einsamen Landgrabental.

Auf den nächsten etwa 10 Kilometern ändert der nun wieder etwas schmalere Landgraben ein paar Mal seine Richtung und führt durch eines der größten Niedermoorgebiete Deutschlands: die »Friedländer Große Wiese «. Wer hindurch paddelt, ahnt kaum etwas von der bewegten Geschichte der eintönigen Acker- und Weidelandschaft. Schon seit Jahrhunderten, zuletzt zu Zeiten der DDR, gab es unter größten Anstrengungen erfolgreiche Bestrebungen, das einstige Moorgebiet trocken zu legen und in landwirtschaftliche Nutzfläche umzuwandeln.
Heute würden es viele aus Naturschutzgründen gern wieder vernässt sehen, in der Hoffnung, die ursprüngliche Moorlandschaft mit Flora und Fauna wiederzuerlangen. Ob und wie das möglich ist – darüber wird in Politik, Wissenschaft und Landwirtschaft gestritten. Mangels Ergebnis jedenfalls ist die Friedländer Große Wiese an vielen Stellen derzeit wasserwirtschaftlich verwahrlost.

Noch einmal folgt auf den weiteren Kilometern, in einem Grabenknick nach links, eine niedrige Brücke an einem Landwirtschaftsweg. Ansonsten gibt es keine weiteren Hindernisse bis zum nächsten Wehr vor Ferdinandshof. Auch hier ist der nötige Aus- und Wiedereinstieg zum Umtragen nicht einfach, aber machbar. Beides kann an den oft flacheren Ufern, ein paar Meter vom Wehr entfernt, erfolgen. Das rechte Ufer ist nun gesäumt mit Bäumen, hinter denen parallel eine kleine Straße bis in das nahe Ferdinandshof verläuft.

Nach etwa 2 Kilometern, unmittelbar bevor der »Weiße Graben« von rechts einmündet, gibt es noch eine Fischtreppe zu umtragen. Bei gutem Wasserstand kann möglicherweise auch getreidelt werden. Mit dem Zufluss des Weißen Grabens wird der Landgraben erneut merklich breiter und nennt sich fortan »Zarow«. Die Kanutour kann hier beendet werden oder auf der Zarow noch etwa 18 km bis zur Mündung in das Stettiner Haff fortgesetzt werden. Das nahe Ferdinandshof ist vom Ausstieg an einer Bahnbrücke über den Fluss, etwa 1 km weiter, fußläufig gut erreichbar. Hier gibt es Einkaufs- und Rastmöglichkeiten.

Kanutour Landgraben: Weiterführende Infos
Anbieterverzeichnis Landgraben Mecklenburg-Vorpommern
Wasserwanderkarte Landgraben Mecklenburg-Vorpommern
Landgrabental (Faltblatt)
Pegel (Großer Landgraben, Breest)
Pegel (Putzarer See)
Kanutour Landgraben: Video
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