Nie wieder Kratzer am Boot
Zu den unangenehmsten Erfahrungen im Leben des Wasserwanderers gehört es wohl, auf Grund zu laufen bzw. unbeabsichtigt das Boot über Steine, Sand, Kanten und andere Gegenstände unter Wasser oder an Land zu schleifen. Gerade bei Booten aus GFK (glasfaserverstärktem Kunststoff) verursacht das hässliche Kratzer oder Schlimmeres. Faltboote sind natürlich noch anfälliger. Doch selbst wenn man sich so vorsichtig wie möglich mit seinem Kanu in der Natur bewegt – Kratzer und andere Schadstellen am Rumpf des Bootes bzw. der Bootshaut bleiben früher oder später nicht aus. Eine einfache DIY-Lösung für dieses Problem, die sich für fast alle Kanutypen und Oberflächenmaterialien eignet, habe ich selbst vor ein paar Jahren in einem Forum entdeckt und wende sie seitdem erfolgreich bei meinem GFK-Boot an.

Do it yourself!
Dabei handelt es sich um einen Kielschutz bzw. Rumpfschutz mit Hilfe von Markierungsband. Dieses Markierungsband besteht aus PVC und wird eigentlich zum reversiblen Markieren von bestimmten Flächen, Wegen oder bspw. Gefahrenstellen auf Fußböden hauptsächlich in der Industrie verwendet. Es ist also eine Art selbstklebende Folie, die in verschiedenen Breiten auf Rollen als Klebeband angeboten wird. Mit diesem Bodenmarkierungsband können wir nun einfach unseren Kiel oder ggf. auch den gesamten Rumpf des Kanus der Länge nach bekleben. Dafür sollte der zu beklebende Untergrund natürlich möglichst sauber und trocken sein. Ein Vorreinigen mit Isopropylalkohol oder Spiritus kann helfen.
Dadurch, dass das Band etwas dehnbar ist, passt es sich auch gut verschiedenen Formen an. Wenn das nicht ausreicht, kann man auch mit etwas Hitze (nicht zu viel!) aus einem Heißluftföhn nachhelfen, damit sich das Band wirklich auch an jede Rundung, z. B. an Bug und Heck, anschmiegt. Dabei sollten bestenfalls keine Lufteinschlüsse entstehen, die ansonsten von der Mitte her sanft herausgedrückt werden können. Kleine Falten können zur Not ebenfalls mit etwas Hitze korrigiert werden.

Extraschicht für besseren Schutz
Durch die zusätzliche PVC-Schicht haben wir nun eine »Schutzhaut« auf unserem Rumpf, die kleinere Stöße gut abfängt und dafür sorgt, dass Kratzer zunächst mal auf der Folie und nicht auf dem Kiel oder Rumpf landen. Aber auch bei größeren Zusammenstößen kann die Schutzschicht dafür sorgen, dass der Schaden am Ende nicht ganz so erheblich ist. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass die Bootshaut darunter zusätzlich vor Dreck, Wasser, Algen, UV-Strahlung und anderen Umwelteinflüssen geschützt wird. Wenn der Kielschutz irgendwann beschädigt ist, zieht man die alte PVC-Folie einfach ab und erneuert sie entweder gänzlich (empfohlen!) oder in Teilen. Auch mehrere Lagen für einen besseren Schutz sind möglich. Da es das Markierungsband in verschiedenen Farben gibt, kann es auch optisch meist unproblematisch an den Bootsrumpf angepasst werden.
Meine Erfahrungen mit dem Kielschutz
Worauf man achten sollte, ist, dass ein guter Klebstoff verwendet wird, womit sich das Klebeband wieder rückstandslos entfernen lässt, und darauf, dass die Rolle nicht zu alt ist. Denn auch PVC wird irgendwann brüchig. Ich habe schon vermeintliche »Schnäppchen« gemacht, die ich nach der ersten Kanutour komplett bereut habe. Nicht nur, dass der Kleber des Markierungsbandes derart schlecht haftete, dass ich zeitweise einen fast 5 Meter langen PVC-Streifen hinter mir durchs Wasser zog. Paradoxerweise ließen sich die Kleberrückstände am Boot im Nachhinein nur noch mittels grober Gewalt und Lösungsmittel entfernen, was offensichtlich vor allem an der Wirkung der Sonneneinstrahlung auf den Kleber lag. Es lohnt sich also, zur teureren Markenrolle zu greifen. Diese kosten im Schnitt um die 20 Euro pro Rolle.
Ich empfehle, nach dem Kauf erst mal ein Stück Klebeband am Boot zu testen und zu schauen, wie es im Wasser reagiert und ob es sich nach einer Woche oder länger noch rückstandslos entfernen lässt bzw. überhaupt gut haftet. Dann ist man auf der sicheren Seite und erlebt keine bösen Überraschungen wie ich. Oft macht sich die Qualität aber auch schon beim Aufkleben bemerkbar, wenn man bspw. Korrekturen vornehmen muss.

Was dich nicht umbringt, macht dich … langsamer?
Ein anderes Thema ist die neue Oberfläche und damit die veränderte Reibung des Wassers am Rumpf des Kanus, die natürlich so gering wie möglich sein sollte, um nicht unnötig viel Kraft zum Vorwärtskommen aufbringen zu müssen. Je nachdem, wie viel Klebeband man wo aufbringt, kann es da sicher Unterschiede geben und man gleitet womöglich etwas langsamer durch das Wasser als mit einer auf Hochglanz polierten Gelcoat-Oberfläche. Ich habe mit meinem verbreiterten Kielschutz aber bisher keine eklatanten Unterschiede in Geschwindigkeit oder Kraftanstrengung wahrnehmen können.
Nicht zuletzt sollte man auch auf die Klebebandkanten achten, in denen sich nach gewisser Zeit Schmutz ansammelt und die sich (vor allem deshalb) irgendwann auch lösen. Wenn dann überall keine Ecken und Kanten abstehen, weil sie nicht mehr richtig kleben, ist die einheitlich glatte und ebene Oberfläche am Bootsrumpf natürlich auch nicht mehr gegeben – mit oben genannten Konsequenzen. Um diesen Effekt zu minimieren, können die Ecken vor dem Kleben mit einer Schere leicht abgerundet werden. Ansonsten empfiehlt es sich – auch wenn teurer – immer, die komplette Folienschicht zu erneuern und nicht in Flicken zu arbeiten, die wieder neue Kanten und somit Schwachstellen erzeugen. Dies kann aber natürlich durchaus mal eine Übergangslösung während einer Kanutour sein.

Wie oben beschrieben kann auch eine zu alte Folienschicht irgendwann problematisch werden. Je nach Beanspruchung und Standzeit des Kanus in der Sonne etc. würde ich deshalb nach 1 bis maximal 2 Jahren zu einer generellen Erneuerung des Kiel- oder Rumpfschutzes raten.
Nachfrage schafft Angebot
Mittlerweile gibt es natürlich auch schon spezielle »professionelle« Kielschutzstreifen und -bänder zu kaufen oder Kanus mit bereits integriertem Kielschutz (z. B. Aluminiumleisten). Mit diesen habe ich bisher aber noch keine Erfahrungen gemacht. Die Streifen werden häufig ebenfalls aus PVC gefertigt. Ob sie gegenüber den Bodenmarkierungsbändern auf die Menge gesehen günstiger sind, ist ebenfalls eine spannende Frage. Die Markierungsbänder sollten auf jeden Fall großflächiger anwendbar sein – ein großer Vorteil, wie ich finde. Ich bin jedenfalls sehr froh und zufrieden, damals auf diesen Tipp gestoßen zu sein, und ärgere mich fast darüber, dass ich meiner »Seegurke« dadurch nicht schon früher den ein oder anderen Kratzer erspart habe.



