10 Dinge, ohne die ich nie lospaddle
Verleiher können ein Lied davon singen: Beim Packen der Kanus für eine mehrtägige Paddeltour stellt sich plötzlich heraus, dass ja gar nicht alles ins Boot passt, was man mitnehmen wollte. Und das, obwohl man doch nur »das Nötigste« eingepackt hat. Wie und wofür ich den knappen Stauraum eines Kanus nutze und welches Gepäck auf längeren Kanutouren wirklich nützlich ist, habe ich hier aufgelistet.

1. Schwimmweste
Viele Wanderkanuten betrachten es als lästig oder belächeln sogar das Tragen einer Schwimmweste. Kommt man aber tatsächlich in eine Notsituation und kentert bspw. bei stürmischer See, ist man auch als guter Schwimmer schnell überfordert mit dem Bergen von Kanu und Ausrüstung. Zusätzlich muss man auch sich selbst noch irgendwie über Wasser halten. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Eine zusätzlich wärmende Schwimmweste macht dann vieles leichter!
Bessere Paddelwesten bieten außerdem Stauraum für wichtige Dokumente, das Smartphone und sogar für Getränke, die man so im Notfall automatisch bei sich trägt. Notsignale (Pfeife) und ein Berge-Gurtsystem gehören bei professionellen Modellen ebenfalls zum nützlichen Standard.

Für Nichtschwimmer und Kleinkinder sollten Rettungswesten obligatorisch sein, die den Körper bei Bewusstlosigkeit selbstständig in Rückenlage drehen und den Kopf über Wasser halten! Auf offenen Gewässern (See oder Meer) und großen Flüssen ist meiner Meinung nach ansonsten für alle Paddler eine Schwimmweste geboten.
2. Regenjacke
Auch wenn der Wetterbericht 28 °C und strahlenden Sonnenschein voraussagt, ist bei mir eine Regenjacke stets griffbereit mit an Bord. Warum? Wettervorhersagen sind umso ungenauer, je weiter sie in die Zukunft reichen. Und selbst für kurzfristige Zeiträume ist der Wetterbericht nie hundertprozentig sicher. Vor allem im Sommer entstehen schnell Hitzegewitter mit Sturm und Starkregen.

Außerdem bietet eine Regenjacke auch einen zusätzlichen Schutz vor Spritzwasser, (nächtlicher) Kälte, Wind, lästigen Insekten und Sonnenbrand. Die Kapuze der Regenjacke kann immer als Not-Kopfbedeckung herhalten. Wenn man kentert, friert und alle Klamotten nass sind, ist die schnell trocknende Regenjacke oft die beste Option, um seinen Körper wieder aufzuwärmen. Wer es professioneller möchte, kann sich für diese Zwecke auch eine spezielle Paddeljacke im Fachhandel zulegen.
3. Sonnenschutz
Scheint auf Kanutouren längere Zeit die Sonne, ist eine Kopfbedeckung Pflicht! Neben Sonnenbrand wird nämlich oft auch das Risiko eines »Sonnenstichs« unterschätzt. Bei brennender Haut, Kopfschmerzen, Übelkeit oder sogar Bewusstlosigkeit ist ein Weiterpaddeln dann nicht mehr möglich. Ein festsitzender Hut oder eine Schirmmütze mit Nackenschutz haben sich als Prävention bewährt – auch bei Wind und Regen.
Ergänzend sind Sonnencreme, eine Sonnenbrille mit UV-Schutz sowie lockere, helle und lange Sportkleidung eine gute Wahl. Idealerweise verfügen Kopfbedeckung und Sonnenbrille zudem über Kordeln zum Festzurren. Denn ansonsten gehen sie auf dem Wasser recht schnell verloren. Dafür braucht es meist nicht mehr als eine Windböe oder einen ungeschickten Paddelschlag, wie mich eigene Erfahrungen sträflich lehren.

4. Paddelhandschuhe
Ebenfalls vielfach unterschätzt oder sogar belächelt werden Handschuhe beim Paddeln. Dabei sind sie meiner Meinung nach unverzichtbar auf mehrtägigen Kanutouren. Gerade beim Kayaken scheuern die gedrehten Doppelpaddel permanent zwischen Daumen und Zeigefinger, sodass früher oder später Blasen auf der Hautfläche an den Händen entstehen. Jeder weitere Paddelschlag wird dann zu einer schmerzvollen Herausforderung.

Als Notlösung können Wundpflaster herhalten, die allerdings schnell nass werden und sich dann lösen. Professionelle Abhilfe hält der Fachmarkt in Form von »Paddelpfötchen « oder Neoprenhandschuhen bereit, die im Winter auch vor Kälte schützen. In den warmen Monaten genügen meist schon dünne, fingerlose und schnell trocknende Handschuhe mit etwas Grip, wie bspw. Fahrrad- oder Fitnesshandschuhe.

5. Paddelschuhe
Keine Badelatschen, keine Flip-Flops, kein Barfuß: Ich trage und empfehle unbedingt ein extra Paar Wasser- bzw. Badeschuhe auf Kanutrips! Denn zum Wasserwandern gehört tatsächlich manchmal auch das Wandern über Land. Dafür kann es eine Vielzahl an Gründen geben, z. B. Umtragen, Anlanden, Rasten oder Treideln. Festsitzende Paddelschuhe schützen dann vor Scherben und Steinen am Gewässergrund, genauso wie vor Splittern, Nägeln, Schmutz und Kleintieren an Land, und bieten mit Sohlenprofil mehr Stabilität im unwegsamen Gelände als Badesandalen (Verletzungsgefahr durch Umknicken).

Sollte man kentern, sind übrigens meist auch die Badelatschen weg! Gleiches gilt beim Waten durch schlammigen Gewässergrund. Schnell trocknende Wassersportschuhe aus Gummikunststoffen oder Neopren verliert man nicht so schnell und sie schützen gleichzeitig vor Sonne oder Kälte. Bei kurzfristigen Landgängen entfällt damit auch ein ständiger, lästiger Schuhtausch mit dem sicher und trocken verpackten, zusätzlichen Paar Straßenschuhe.
6. Packtonnen und Seesäcke
Wer einmal einen ganzen Tag bei Regenwetter gepaddelt ist, wird am Abend trockenes Gepäck zu schätzen wissen. Deshalb sollten vor allem Kleidung, das Zelt und das Schlafzeug immer vor Nässe geschützt werden. Während sich Packtonnen und Kanufässer eher für offene Kanutypen (z. B. Kanadier) eignen, können wasserdichte Packsäcke auch im oder auf dem Kajak verstaut werden. Dabei sind mehrere kleine Drybags (15 bis 25 Liter) oft sinnvoller als ein großer Gepäcksack.
Richtig verschlossen und idealerweise am Kanu gesichert bleibt so das Gepäck auch bei Kenterung trocken und versinkt wegen der meist mit eingeschlossenen Luft auch nicht. Vor Spritzwasser und Dreck ist das wichtige Equipment dann ebenfalls ausreichend geschützt. Auch wenn sperrig, sind große Tonnen und Fässer zudem eine hervorragende Sitzmöglichkeit bei Landgängen, wenn keine Alternative zur Verfügung steht. In jedem Fall sollten die Packsäcke und Kanufässer einfach transportabel sein (Griffe, Gurte, nicht zu groß und schwer).

Mobiltelefone, Powerbanks und andere elektronische Geräte sollten unabhängig davon in wasserdichten Hüllen oder Behältern verstaut werden.

7. Gaskocher
Wenn es auf längeren Kanutrips nicht nur kaltes Fingerfood geben soll, benötigt man neben gewissen Vorräten an Essen und Getränken auch ein paar Küchenutensilien. Und sei es nur, um sich unterwegs einen Kaffee aufzubrühen. Deshalb fehlt auf meinem Boot nie ein kompakter Kartuschen-Gaskocher , der idealerweise auch über Selbstzündung (»Piezozündung«) und einen Windschutz verfügt. Bei stärkeren Winden an Gewässern kann das Gold wert sein!

Damit lassen sich neben Heißgetränken auch warme Mahlzeiten schnell, effektiv und zuverlässig zubereiten. Ich empfehle Gaskocher, bei denen die (Schraub-)Kartusche über einen Schlauch getrennt vom Brenner installiert wird, da der Kocher so oft einen stabileren Stand hat und nach Demontage besser im Kanu verstaut werden kann.
8. Camping- und Kochgeschirr
Nun kann man zusätzlich zum Gaskocher von Tellern, Tassen, Bechern, Schalen und verschiedenen Töpfen über Kochkessel und Pfannen alles Mögliche auf dem Wasser mitschleppen. Das Angebot an Campinggeschirr ist mittlerweile riesig! Die Kanus leider nicht. Deshalb habe ich meine mobile Küchenausstattung über die Jahre so optimiert, dass ich heute nur noch minimalstes Kochgeschirr an Bord mitführe:

1. eine verschließbare Edelstahl-Feldflasche mit Becher für heiße und kalte Getränke, wie bspw. Kaffee oder angebrochene Milch (auch für unterwegs), wobei der Becher mit Henkel sowohl zum Kochen als auch zum Essen und Trinken benutzt wird,
2. ein kompaktes Multifunktionsbesteck mit mindestens einer Gabel, einem Löffel und einem (größeren) Messer, je nach Variante auch mit weiterem Werkzeug,

3. ein kleines Schneidbrett, das mir als Untersetzer, Ablage, Essteller oder eben zum Schneiden dient,
4. eine Moka-Express-Kanne (»Caffettiera«) oder ein faltbarer Mehrweg-Kaffeefilter zum Aufbrühen von Kaffee.

Darüber hinaus verfügt meine Kanu-Kombüse zusätzlich über ein Feuerzeug (sicher ist sicher!), etwas Spülmittel und ein Küchenhandtuch für die spätere Reinigung des Geschirrs. That’s it!
9. Erste-Hilfe und Hygiene-Set
Abenteuer in der Natur fordern oft unerwartet auch Verletzungen und Blessuren. Dann ist es gut, wenn man etwas Verbandszeug aus einem Erste-Hilfe-Kit dabei hat, um kleine Wunden oder Verbrennungen erstversorgen zu können. Immer mit dabei ist bei mir deshalb ein Desinfektionsmittel, eine Wundsalbe, sterile Verbände, Pflaster, ein paar Schmerztabletten sowie eine Zeckenkarte. Die Pflaster(-Zuschnitte) sind idealerweise wasserfest.
Das Erste-Hilfe-Set findet in meiner Waschtasche Platz, die neben Sonnencreme, Insektenspray, Duschgel, Zahnbürste, Zahnpasta, sowie Feucht- und Handtüchern auch sonst alles enthält, was ich für die tägliche Körperhygiene auf Kanutouren benötige.
10. Zelt
Es mag unlogisch erscheinen, aber ein leichtes Zelt im Gepäck kann auf mehrtägigen Kanutouren auch dann sinnvoll sein, wenn ich gar nicht vorhabe, darin zu schlafen. Denn es macht mich flexibel. Was ist beispielsweise, wenn ich mein Tagesziel am gebuchten Übernachtungsort aus Kräftemangel oder wegen schlechter Witterung nicht erreiche? Was ist, wenn bereits alle Schlafmöglichkeiten bei Ankunft belegt sind? Dann kann ich immer noch zelten, notfalls auch in der freien Natur.

Gleichwohl kann es sein, dass tagsüber ein heftiges Gewitter aufzieht. Mit einem rechtzeitigen Zeltaufbau bleibt man so auch in der Wildnis jederzeit trocken und windgeschützt.
Und sonst noch?
Hier nicht aufgelistet, aber dennoch nicht weniger wichtig ist natürlich ausreichend Verpflegung, aktuelles Karten- und Navigationsmaterial, ein Smartphone für Notfälle mit Ersatzakku oder Powerbank (Kabel nicht vergessen!), eine Taschenlampe sowie den (nächtlichen) Temperaturen angepasste Kleidung und Schlafzeug (z. B. Isomatte und ein warmer Schlafsack).
Schreib mir gern auch in die Kommentare, was auf deinen Paddeltouren unbedingt mit muss! Ich bin gespannt.



